Digitale Welt

 

Guten Tag,

aller guten Dinge sind Drei. Heute sende ich Ihnen Eindrücke zur digitalen Welt von meiner letzten Führung dieses Jahr auf der Biennale in Venedig. Brigitte Kowanz widmet ihre Arbeiten im Österreichischen Pavillon dem virtuellen Zeitalter.

Es ist noch gar nicht so lange her. Angesichts der umfassenden Präsenz von Computern, Laptops, Smartphones, World Wide Web, Emails und SMS ist es verblüffend sich vor Augen zu führen, wie kurz sie uns erst zur Verfügung stehen. Welche Erfahrungen und Ereignisse führten die massgeblichen Pioniere und Visionäre zu diesen weitreichenden und weltverändernden Erfindungen, häufig zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten?

Konrad Zuses erster funktionsfähiger Rechner, 1941 fertiggestellt, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, zur gleichen Zeit arbeitet in den USA Alan Turing an der Entwicklung von Computern. Vater des allseits bekannten Klammeräffchens und der dazugehörigen Möglichkeit sich Mails zu schreiben (die Voraussetzung also auch für diesen Newsletter) ist 1971 Ray Tomlinson.

1973 startet das erste Handy von Martin Cooper. Damit beginnt auch schon die Notwendigkeit, Inhalte zu schützen. Martin Hellman und Whitfield Dieffie entwickeln dafür 1976 ein erstes Verschlüsselungssystem. Das World Wide Web, so wie wir es heute täglich benutzen, startet am 6.8.1991. Tim Berners-Lee arbeitete damals am CERN, dem weltbekannten Forschungszentrum in der Schweiz, und entwickelte das Internet eigentlich nur, um den Austausch der Wissenschaftler/innen untereinander zu erleichtern.

Friedhelm Hillebrand, Ingenieur der Deutschen Bundespost, verschickt 1992 die erste SMS und 1998 erfindet Dov Moran in Israel die Speichermöglichkeit auf USB Sticks, nachdem sein Notebook kurz vor einem Vortrag versagt hatte.

Brigitte Kowanz, der erst kürzlich der Deutsche Lichtkunstpreis verliehen wurde, hatte auch an dem von mir organisierten Wettbewerb Kunst am Bau am Flughafen München mit ihrer Serie „Infinity and Beyond“ teilgenommen. Auf der Biennale übersetzt sie vier digitale Geschichtsdaten in faszinierende Lichtinstallationen mit codierten Morsezeichen: www am 6.8.1991, Google am 15.9.1997, Wikipedia am 15.1.2001 und das IPhone vom 9.1.2007.

Die irrisierenden Zweiweg-Spiegeleffekte sind zum einen Symbol für die Unendlichkeit (infinity). Zum anderen führt uns die Künstlerin auch die Vielschichtigkeit der Auswirkungen dieser Erfindungen vor Augen – häufig jenseits (beyond) unserer Vorstellungskraft.

Eine Aufgabe der nächsten Jahre wird es sein, wie Goethes in Zauberlehrling beschrieben, „die Geister, die wir riefen“, in Griff zu bekommen (falls das überhaupt möglich ist).

Mit sonnigen Sonntagsgrüssen
Ihre Eva Mueller

Abb. Brigitte Kowanz, Infinity and Beyond, Österreichischer Pavillon Biennale Venedig 2017 (nur während der Ausstellung möglich)

Foto: Andrea Feldhaus

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