Die drei Prinzen von Serendip
oder die Geschichte vom glücklichen Zufall

Guten Tag,

ein altes persisches Märchen erzählt von den drei Söhnen des Königs Giaffer. Der Schriftsteller Horace Walpole schuf daraus den Begriff der Serendipity. Gemeint ist damit der glückliche Zufall. Wesentliche Entdeckungen unserer Zivilisation sind darauf zurückzuführen.

So fand der Forscher Alexander Fleming nach seinem Sommerurlaub 1928 auf einer von ihm beiseite gestellten Agarplatte mit Staphylokokken, dass in der Nachbarschaft des Pilzes keine Bakterien zu finden waren – und konnte somit antibiotisches Penicillin (Pinselschimmel) medizinisch nutzbar machen. Post-its, Teflon, Porzellan, Silikon, Röntgenstrahlen und viele weitere Errungenschaften wurden auf diese Weise identifiziert.

Worauf es bei der Serendipity wirklich ankommt, führt uns das Märchen der drei Prinzien von Serendip anschaulich vor Augen:

In alter Zeit, im Land Serendip (Ceylon, heute Sri Lanka) lebte König Giaffer mit seinen drei Söhnen. Für ihre Erziehung und Bildung engagierte er die herausragendsten Lehrer auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft. Um sie auf ihre zukünftige Herrscherrolle vorzubereiten, verbannte er sie unter vorgetäuschtem Ärger aus seinem Land.

So erreichten die drei Prinzen das Reich des Königs Beramo. Ein Kameltreiber hielt sie auf, der eines seiner Tiere vermisste und fragte, ob sie es auf ihrem Weg gesehen hätten. Sie beschrieben ihm ein Kamel, auf einem Auge blind, etwas lahm, geritten von einer schwangeren Dame, die zudem Honig und Butter transportiert hätte. Auf Grund ihrer detaillierten Schilderung verdächtigt der Tierhalter die drei Prinzen des Diebstahls.

Vor den Richter geführt schildern sie ihre genauen Beobachtungen. Das Gras war nur auf einer Seite des Weges abgefressen – es wies auf Einäugigkeit hin, die Spuren auf unterschiedliche Gewichtsverlagerung, die Wegseiten auf Reste von Honig und Butter, menschliche Fuss- und Handabdrücke auf eine Dame, die sich am Boden aufgestützt hatte, um aufzustehen.

König Beramo ist begeistert und gewinnt die drei als weise Berater, die ihm bald beste Dienste erweisen. Letztendlich gelangen alle Prinzen an den väterlichen Hof zurück, heiraten natürlich schöne und kluge Prinzessinnen und agieren als höchst weise Herrscher in ihren Ländern.

Der glückliche Zufall aber, die Serendipity, ist in allen Schilderungen ihrer überaus genauen Beobachtungsgabe geschuldet. Sie nehmen alle Details wahr, sind sich ihrer Wege und Entscheidungen sehr bewusst – unabhängig und mit grosser Leichtigkeit.

Die gleiche Entdeckung machen bedeutende Künstler/innen tagtäglich in ihren Ateliers. Sie nutzen diese spezielle Form des Zufallsprinzips schon lange. Einer der Wegbereiter, sowohl für die zeitgenössische Musik als auch bildende Kunst, war John Cage. Trifft langjährige Übung, kontinuierlich, beobachtend und stets nach Verbesserung suchend auf grösstmögliche Offenheit, entsteht herausragende, originäre Kunst. Inspirierend für jede unternehmerische Tätigkeit!

Mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

Der französische Künstler Jaques Lavigne arbeitet mit einer Collagetechnik, die Malerei und Papierauftrag verbindet. In seinen unzähligen Eingriffen und Veränderungen lässt er auch dem Zufall eine Chance. Intellekt und Unbewusstes arbeiten in optimaler Weise zusammen, um letztendlich das beste Ergebnis zu erzielen.

 

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