Perspektive wechseln
Man könnte meinen, wir sehen alle das Gleiche, sofern wir nebeneinander stehen und etwas betrachten. Weit gefehlt. Es ist immer wieder faszinierend, ganz unterschiedliche Eindrücke aufzunehmen, wenn ich nach Abschluss eines Kunstkonzepts durch ein Unternehmen führe.
Die Auswahl kommt gut an, weil ich sie bewusst auf das jeweilige Umfeld, die Menschen, ihre Tätigkeit abstimme. Sie passt genau an diesen Ort. Trotzdem nimmt Jede:r andere Aspekte auf.
Es dauert zwar immer ein wenig, bis sich alle trauen, ihre Interpretation zu teilen, aber dann! Die Anderen staunen nicht schlecht, was ihre Kolleg:in wahrnimmt. Und damit fängt es an, interessant zu werden.

Wir entdecken nicht nur ungewohnte Perspektiven in den Kunstwerken. Wir erleben auch, wie sehr unser Sehen von bisherigen Erfahrungen, Vorurteilen, Sichtweisen geprägt ist. Welche Aspekte nehmen wir zuerst wahr? Was zieht die Blicke an? Wohin geht die Aufmerksamkeit? Wo sehe ich bewusst hin – und wo nicht?
Fällen wir sofort ein Urteil? Ohne genau zu schauen. Soll das Kunst sein? Kann meine Tochter auch. Nehmen wir uns Zeit zu entdecken? Die Nuancen in einem scheinbar monochromen Bild zu erkennen. Die Stille aufzunehmen. Den Raum. Andere Aspekte als die erwarteten?
Erlauben wir uns zu staunen? Neugierig zu sein? Innezuhalten? Winzige Details zu geniessen – selbst im eigentlich schon Vertrauten? Dürfen unsere Augen einmal länger auf einem Objekt ruhen?
Sie sehen, was ich nicht sehe. Ich sehe, was Sie nicht sehen.
Welche Bereicherung, wenn wir uns austauschen und die Perspektive wechseln können!
Bunte Herbsttage wünscht Ihnen
Ihre Eva Mueller

Abb. von 1708
… und so sieht das Bild oben aus, wenn man es um 180 Grad dreht und damit die Perspektive wechselt.