HORST KUHNERT ZU GAST BEI DEN KUNSTTAGEN 2026

Diesen Freitag war es wieder soweit. Mit einem Meister der konkreter Kunst haben wir die Nürtinger Kunsttage feierlich eröffnet. Noch bis zum 27. November laden wir Sie ein, die faszinierenden Polyesterarbeiten von Horst Kuhnert direkt im Stadtzentrum zu entdecken, ausgestellt in den Schaufenstern der Volksbank Mittlerer Neckar.

„Ein Leben für die Kunst“ haben wir diese Ausstellung genannt. Ein Statement, das kaum jemand so stimmig zugeordnet werden kann wie Horst Kuhnert?

Von der Akademie zur Avantgarde

1939 in Schlesien geboren, den Wirren dieser Zeit ausgesetzt, war es Horst Kuhnert nicht in die Wiege gelegt, einer der bedeutendsten Meister geometrisch-konkreter-konstruktiver Kunst in Deutschland zu werden. Ein entscheidender Wendepunkt war sein Studium an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart bei Professor Heinrich Wildemann. Der war selbst ein Symbol des Widerstnads. Seine Kunst war 1933 als „entartet“ eingestuft und mit einem Ausstellungsverbot belegt worden. Diese Tradition künstlerischer Freiheit und Integrität prägt auch Horst Kuhnert.

Horst Kuhnert: Pionier des Polyesters

In Wildemanns Klasse widmete er sich zuerst der Malerei. Doch den innovativen Geist zog es bald zur plastischen Arbeit. In den 1960er Jahren war Horst Kuhnert einer der Pioniere in Deutschland, der  glasfaserverstärkte Polyesterharze – und damit ein bahnbrechend neues Material – für seine Kunst nutzte.

Seine Motivation beschreibt er in einem Interview so: „Nach 1945 sollte alles neu sein. Die Kunst war wieder frei für neue Ideen und Lebensentwürfe. Zugleich war es in der Kunst möglich an eine neue, positive Zukunft zu glauben. Ich begann also mit dem „Nichts“, wenn man das Harz als Nichts bezeichnen will. Gegenüber klassischen Materialen, die eine eigene Struktur haben, ist Polyester neutral. Es ist zunächst flüssig und sein Aggregatszustand muss erst hergestellt werden… Die Möglichkeiten, die das Material Polyester hergibt, musste ich erst erfinden und erarbeiten.“  

70 Jahre Schaffenskraft

Genau das reizt ihn. Kuhnerts berühmte „Raumflächen“ oder „Raumkörper“ entstanden. Es ist faszinierend zu sehen, wie er seit 70 Jahren mit Ausdauer und Präzision sein Werk stetig weiterentwickelt und den strengen, geometrischen Formenkanon mit weichen, organischen Schwüngen bereichert.

Diese Ausstellung zu den Nürtinger Kunsttagen ist eine Hommage an sein Lebenswerk und eine Entdeckungsreise in die Welt des Polyesters als Ausgangsmaterial für Kunstwerke.

Ein Leben für die Kunst! Wir gratulieren zu seinem beeindruckenden Schaffen und nehmen seine Offenheit, Neugier, Begeisterungsfähigkeit als Inspiration mit in unseren Alltag.

Mit frohen Grüssen Ihre Eva Mueller

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