Netzwerke

Unser Überleben gründet auf Collaboration. Gemeinschaft. Verbundenheit. Gegenseitiger Unterstützung. Niemand kann alleine existieren – ohne Nahrung von Pflanzen, Tieren, Ansprache, Pflege, Liebe. Ein grausames Experiment, angeordnet von Friedrich II hat es früh bewiesen. Er wollte eigentlich herausfinden, ob und wie Kinder sprechen, wenn sie ohne Zuneigung und Ansprache aufwachsen. Sie starben sehr schnell.

Ein Irrglaube zu meinen, das gälte nur für Säuglinge. Als Erwachsene könnten wir alles alleine stemmen. Zu ignorieren, wie stark wir von anderen abhängig sind, die Nahrung anbauen, Häuser errichten, Heizsysteme entwickeln, Arbeit anbieten, Regelverstösse ahnden, mit uns sprechen, lachen, lieben.

Alles gründet auf funktionierenden Netzwerken

Dieses Wissen wird in den Arbeiten des argentinischen Künstlern Tomás Saraceno auf höchst ästhetische Weise erfahrbar. Sein Engagement für die indigenen Gemeinschaften von Red Atacama aus den Las Salinas Grandes im Norden Argentiniens basiert auf fundierten wissenschaftlichen, ökologischen und künstlerischen Kenntnissen.

Netzwerke

In der aktuellen Ausstellung „Collaboration“ im Haus der Kunst München begrüsst eine grosse Liegefläche mit handgewebten Decken und einer dreiteiligen Fotografie des legendären Eisbachs in München. Es geht um das lebensnotwendige Element Wasser. Unmittelbar nach diesem einladenden Start taucht man in einen dunklen Raum, bedeckt mit einer grossen Wasserfläche und riesigen Lichtinstallationen aus planetaren Formen, die sich darin spiegeln.

In ergänzenden Videos und Dokumentationen wird nachvollziehbar, wie Saraceno ein riesiges Kunstwerk aus Salz und Wasser baut. Ein Solidaritätsprojekt für die Gemeinschaften, die sich gegen den industriellen Abbau von Lithium wehren, der in ihrer Region lebensbedrohlichen Wassermangel erzeugt.

Netzwerke

Als Symbol für wunderbare Netzwerke, die Spinnen erschaffen, zeigt der Künstler faszinierende Formationen dieser komplexen Strukturen. Wir sehen ihre originalen Verwebungen und eine grosse Nachbildung, bei der man die Fäden wie bei einem Musikinstrument zum Klingen bringt. Die Tiere spüren – wie viele andere – die Folgen der Klimakrise. Wenn sich Giftstoffe auf ihren feinen Netzen ablagern, müssen sie ihre Behausungen verlassen.

Unser sensibles Ökosystem besteht aus vielen miteinander verflochtenen Beziehungsnetzen.
Wir überleben nur gemeinsam im Bewusstsein dieser gegenseitigen Verantwortung.

Herzlich Ihre Eva Mueller

Abb.
oben „Towards the Sanctuary of Water“, 2026
unten „Sounding the Air“, 2026

Tomás Saraceno in Collaboration „Verwobene Welten“ ist bis 7.2.27 im Haus der Kunst in München zu entdecken

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