Urban Art Biennale Völklinger Hütte
Ich muss zugeben, bei Urban Art bin ich ziemlich skeptisch. Vieles gründet auf Sprayerfreude und dem Kitzel nicht erwischt zu werden. Aber: Es gibt auch Banksy. Und andere, die nicht nur gesellschaftspolitisch interessante Botschaften im öffentlichen Raum mit allen teilen. Auch ästhetisch ist einiges geboten, trostlose Stadtteile, Tunnel oder Mauern werden aufgewerteti
Also nähere ich mich gespannt der Völklinger Hütte, seit 2011 Austragungsort der Urban Art Biennale. Ein Ort wie prädestiniert dafür. Raue Industriearchitektur mit ebenso rauer Vergangenheit als Eisenwerk, dabei auch leidensvoller Ort für Zwangsarbeiter:innen im ersten und zweiten Weltkrieg. 1986 stillgelegt. Seit 1994 Weltkulturerbe der UNESCO.

Jetzt also Streetart im passenden Umfeld.
„Transit der Erinnerung“ nennt das Künstlerkollektiv Vortex seine Installation, die mit industriellem Vliesstoff elegant über die Brückenwege der Halle führt, in Korrespondenz mit der Eisengitterstruktur des Gebäudes. Zeichen für den Fluss der Wege und Energien in früheren Zeiten. Die Verwandlung von Abfall in Kunst. Was uns natürlich zu der Frage führt: Wie definieren wir Müll? Wie viele Tonnen Bläschenfolie oder Vlies „verbraucht“ allein die Kunstszene, wenn Material nach dem Transport nicht sorgfältig aufbewahrt und wiederverwertet wird?

Erinnerungen an Pompeji
So wie sich der Staub über die alten Maschinen legen würde, wenn die Völklinger Hütte nicht wieder bespielt würde, so zeigt uns Thomas Lacque eine Szenerie, in der alles unter einer dicken Schicht begraben scheint. Die Assoziation mit Pompeji liegt nahe. An welchem Punkt stehen wir in Zeiten der zunehmenden Klimaerhitzung?

Eine gigantische, grün-schwarze Holzskulptur von Boris Tellegen wirkt dagegen formvollendet schön in diesem Kontext. Raum genug, um vielfältige Ausdrucksformen der Urban Art zu entdecken.
Mit herzlichem Gruss von der Völklinger Hütte,
Ihre Eva Mueller
Abb.: Copyright bei den Künstler:innen und der Völklinger Hütte