Unforgetable – Unvergesslich

Mit 15, als ich neben der Schule in einer Galerie arbeitete, dachte ich noch: Es gab und gibt wohl einfach nur wenig Künstlerinnen. Unvergessslich: Je tiefer ich in die Kunstgeschichte eintauchte, umso mehr Protagonistinnen begegneten mir. Immer öfter erschienen Kunstbände über sie. Ausstellungen feierten ihr Werk. Zeitgenössische Künstlerinnen eroberten zunehmend den internationalen Kunstmarkt.

Heute wissen wir: Es gab zu allen Zeiten und in allen Regionen berühmte, erfolgreiche Künstlerinnen. Sie wurden nur immer wieder „vergessen“. Der Glaube, Frauen besässen keine schöpferische Kraft, liess sie unsichtbar werden. Und weil ihr Unvermögen ja „offensichtlich“ war, verwehrte man ihnen mit Gründung der Kunstakademien den Zugang. Malten sie doch, dann waren es „nur“ Stillleben, häusliche Szenen, Kinderbilder. Für die viel höher bewerteten Historienbilder hätten sie anatomische Studien und Aktmalkurse gebraucht. Davon wurden sie schon aus sittlichen Gründen ausgeschlossen. Ein Teufelskreis.

Dabei gab es längst Beispiele für das Gegenteil: Im goldenen Zeitalter der niederländischen Kunst, als die Wirtschaft blühte, erzielten Künstlerinnen wie Rachel Ruysch mit ihrer Malerei exorbitante  Preise – neben der Erziehung von zehn Kindern! Judith Leysters Werke wurden zeitweise Franz Hals zugeschrieben. Maria van Oosterwijcks Bilder waren an europäischen Adelshöfen höchst begehrt, heute ist sie weltweit in bedeutenden Museen zu entdecken. Johanna Koertens Scherenschnitttechnik faszinierte auch Peter den Grossen. Luise Hollandine von der Pfalz flüchtete ins Kloster, um sich weiterhin unabhängig ihrer begnadeten Portraitmalerei widmen zu können. Maria Sibylla Merian schließlich bereiste nicht nur die niederländische Kolonie Surinam, um dort die Botanik zu erforschen und zu malen. Mit ihren Töchtern führte sie auch ein florierendes Familienunternehmen.

Das Museum der schönen Künste in Gent widmet diesen grossen „Unforgetable: Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam 1600–1750“ noch bis 31. Mai eine Ausstellung, die Sie auch über den Audioguide der Website* entdecken können. Damit ihre Namen und Werke diesmal für immer im Gedächtnis bleiben.

Mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

* https://app.smartify.org/nl-NL/tours/unforgettable-women-artists-from-antwerp-to-amsterdam-1600-1750-o07lt?tourLanguage=en-GB

unvergesslich

Abb.: Louise Hollandine van de Palts, ‚Self-portrait‘, c. 1650-1655. Private collection
In der Ausstellung: „Unvergesslich: Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam 1600–1750“ im Museum der schönen Künste, Gent

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