Zukunfts-Mut weitergeben
Das Licht geht aus, Jugendliche in weissen T-Shirts wandern im Kreis. Plötzlich stossen einige die anderen zu Boden. Sie erzählen von 2050, menschenleeren Städten, KI-Kommunikation statt persönlicher Begegnungen, multiplen Krisen. Dann werden die Liegenden eingeteilt in „Du nicht“, die daraufhin den Boden zu putzen beginnen. Wer mit „Du“ aufgefordert wird, darf aufstehen und selbst Befehle erteilen. Wo bleibt da der Zukunfts-Mut?
So begann vergangenen Montag die Theaterperformance des Kopernikus Gymnasiums in Bargteheide, Thema „Zukunft“. Ich war eingeladen, über Kunst und Vision zu sprechen. Was mir im Vorfeld einiges Kopfzerbrechen bereitete, obwohl ich schon öfter in diesem Zusammenhang aufgetreten war. Doch etwas hat sich verändert. Wenn ich mit Leuten spreche, erzählen sie mir in erster Linie von ihrer Betroffenheit angesichts der aktuellen Krisen. Wie muss das bei Jugendlichen ankommen, die gerade erst ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen?
Wie war das eigentlich bisher?
Es war klar, mein Ziel ist es Zukunfts-Mut weiterzugeben. Ich bin nicht naiv. Die Herausforderungen sind deutlich. Aber wie war das eigentlich bisher? Wie haben Rebell:innen, Künstler:innen und Visionär:innen die Welt verändert? Es war zu keinen Zeiten einfach. Auch wenn die 12 Artikel von Memmingen im anschliessenden Bauernkrieg scheiterten, auf ihrem Entwurf gründet die heute gültige Charta der Menschenrechte. Es gab immer willensstarke Persönlichkeiten, wie die Sklavin Harriet Tubman, die mit ihrer Underground Railroad unter grosser Gefahr andere in die Freiheit führte. Oder Emmely Pankhurst, schon mit 14 bei Versammlungen für das Frauenwahlrecht, die nach Strassenschlachten und Verhaftungen gemeinsam mit anderen 1928 schliesslich ihr Ziel erreichte. Und Rosa Parks, die 1955, zur Zeit der Rassentrennung in den USA verbotener Weise einen vorderen Platz im Bus einnahm. Nach Busboykotten der Schwarzen wurde diese Regelung als verfassungswidrig 1956 aufgehoben.
Visionäre Kunst
1505 strömten die Leute herbei, als Michelangelos David vor dem Versammlungsort der neuen Republik aufgestellt wurde. Das war es: Ein deutliches Symbol für die neue Ordnung nach der grausamen Herrschaft des religiösen Fanatikers Savonarola und Absetzung der Medici.
Lewis Hine, Dorothea Lange und andere Künstler:innen dokumentierten in ihrer Sozialfotografie, wie kleinste Kinder in Fabriken, Minen, Bergbaugruben arbeiteten. Sie zeigten ihre Bilder so oft, bis 1920 die Kinderarbeit in den USA abgeschafft wurde.
Zukunfts-Mut ist, wenn man ein warum zum Leben hat
Visionäre wie Viktor Frankl hatten das KZ überlebt. Weil er für sich ein „Warum zum Leben“ fand. In einem Erdloch, in dem er sich zur Strafe drei Tag aufhalten musste, entwickelte er die Vision, nach dieser Zeit in einem prunkvollen Saal in Wien von seinen Erkenntnissen zu sprechen. So geschah es.
Zu meinem „Jahrbuch für Visionär:innen“ hatte ich Elisabeth Hahnke interviewt. Sie war gerade Studentin, erfuhr an ihrer Hochschule grosszügiges Mentoring und dachte: Wieso gibt es das nicht für Hauptschulen? Also gründete sie „Rock your Life“. Heute existieren in diesem Sinne 15.000 Mentoring Paare.
„Es gibt keinen Zweifel, dass eine kleine Gruppe besonnener, entschlossener Bürger die Welt verändern kann. Wenn man es genau nimmt, ist dies überhaupt der einzige Faktor, der je eine Änderung der Welt bewirkt hat“ sagte die Ethnologin Margaret Mead. Und übrigens endete auch das oben geschilderte Theaterstück auf diese Weise.
Was geben wir nächsten Generationen weiter? Wie wäre es mit Zukunfts-Mut: Zuversicht als Erbe!
Herzlich, Ihre Eva Mueller
Mein Dank für die Einladung gilt dem vorbildlich engagierten Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide mit Schulleiterin Stephanie Wrede-Krukowski, Mittelstufenleiter Andreas Zacharias-Langhans, Kris Hauf für Ihr Sponsoring der Reise. Und ganz besonders der Theaterleiterin Sabine Storch für ihren grossen Einsatz. Ohne sie hätte es diese Veranstaltung nicht gegeben!
