Was noch gilt
Was ist eigentlich wahr? Gerade scheint mir der Wahrheitsbegriff heftigen Angriffen ausgesetzt. Selbst offensichtliche Tatsachen, beobachtbare, messbare, sichtbare sind ins Wanken geraten. Lässt sich doch jegliche Person digital so verändern, dass man ihr Worte in den Mund legen kann, die sie freiwillig nie ausgesprochen hätte. Die Frage ist, was noch gilt?
Bleibt die Wahrheit auf der Strecke? Und damit auch die Wahrhaftigkeit? Wie lassen sie sich retten? Welche Möglichkeiten gibt es? Ist doch die Verständigung auf grundlegende Beobachtungen und Einschätzungen die Basis unseres gesellschaftlichen und privaten Miteinanders.
Zu seiner 30-Jahr-Feier bietet der Hamburger Bahnhof – die Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin mit seinen 8 Sonderausstellungen ein breites Angebot, sich all diesen Fragen intensiv zu widmen.


TRUTH von Shilpa Gupta
Bei der Begehung dieser Installation wandeln wir zwischen den überdimensionalen Buchstaben. Eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was noch gilt. Für uns persönlich. Unser Zusammenleben. Und wie wir diese Gültigkeit verteidigen. Auf jeden Fall nicht, indem wir uns Augen, Ohren und Mund zuhalten!

SABOTAGE von Guilia Andreani
Die Künstlerin Guilia Andreani malt mit Fotografien. Sie kombiniert autoritäre Führungsfiguren und vergessene Gestalten der Geschichte. Anders als die KI-generierte Aneignung von Bildmaterial legt sie die Sabotage offen und trägt so zur Wahrheit bei.

AN OPERA OUT OF TIME von Petrit Halilaj
Petrit Halilaj, 1986 im Kosovo geboren, will mit seiner Kunst zum kollektiven Träumen anregen, zu einer Vision, die Raum gibt für Erneuerung, Aufbruch, Verbindung, Identität. Die Aufführung seiner Oper „Syrigana“ inszenierte er für die Menschen, die in seiner Heimat noch immer die gesellschaftliche Spaltung nach dem Kosovokrieg erleben. Im Hamburger Bahnhof sehen wir die Kostüme, Skulpturen, Bühnenbilder, fantasievolle Welten, in der alle Wesen gut miteinander leben können. Ganz konkret hilft der Künstler beim Wiederaufbau eines zerstörten Hauses der Kultur in Runik – zum Träumen und Realisieren dieser Vision.
Was noch gilt
Welche Antworten finden Sie in Ihrem Alltag auf die Frage was noch gilt? Welche Gesprächsformate, welche Kunst kann in Ihrem Unternehmen Ihre Vision unterstützen?
Mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

Abb.: „Truth“ von Shilpa Gupta, 2022-2025 © Shilpa Gupta. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Foto: Luca Girardini
Abb.: „Shilpa Gupta. What Still Holds“ (Was noch gilt), Untitled (Don’t See, Don’t Hear, Don’t Speak), 2006/26 © Shilpa Gupta. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Foto: Luca Girardini
Abb.: Giulia Andreani, Paint Unbidden (Palimpsest), 2025 © Giulia Andreani und ADAGP, Paris 2026; Courtesy die Künstlerin und Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London | Marfa, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: def image
Abb: „Petrit Halilaj. An Opera Out of Time“, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, © Petrit Halilaj, 2025 / mennour, Paris, ChertLüdde, Berlin und kurimanzutto, New York und Mexiko-Stadt. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jacopo La Forgia