eva muellers visionary sunday post 637 – aufsichtsrat und kunst

Guten Tag

was macht eigentlich der aufsichtsrat?
3 fragen an prof. dr. susanne ertle-straub

Heute also in meiner neuen Serie 3 Fragen an Dr. Susanne Ertle-Straub, Professorin für Immobilienwirtschaft/management und wertorientierte Unternehmensführung. Was macht eigentlich der Aufsichtsrat? Wollte ich von Ihr, als Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank Mittlerer Neckar eG. wissen:

emkb: Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe als Aufsichtsratsvorsitzende in einer Genossenschaftsbank?

dr.ses: Der Aufsichtsrat ist Kontrollorgan des Vorstands und mehr denn je auch Strategiepartner des Vorstands. Banken sehen sich seit einigen Jahren vielfältig herausgefordert. Sei es durch Regulatorik, die Digitalisierung und ganz neue Wettbewerber.

Als Aufsichtsratsvorsitzende sehe ich mich auch als Impulsgeberin, um mit dem Gesamtgremium und dem Vorstand die richtigen strategischen Weichen zu stellen. Die Diversität der Eigentümer:innen – sprich Mitglieder einer Genossenschaftsbank – sollte sich auch im Gesamtgremium des Aufsichtsrats spiegeln. Der Mix aus fachlichen sowie sozialen Kompetenz sowie Diversität in jeder Hinsicht zeichnen einen professionellen Aufsichtsrat aus. Der kritisch-konstruktive Diskurs ist nur möglich durch Transparenz, Vertrauen und Wertschätzung gegenüber jeder Person.

Die zeitliche Inanspruchnahme und die Anforderungen seitens des Bafin haben das ehemalige Ehrenamt für die Funktion des/der Aufsichtsratsvorsitzenden zur Nebentätigkeit entwickelt.

emkb: Sie waren bei der Renovierung der ehemaligen Volksbank Kirchheim-Nürtingen eG (heute Volksbank Mittlerer Neckar eG) maßgebliche Impulsgeberin für ein professionell erstelltes Kunstkonzept, das ich entwickeln und umsetzen durfte. Wie kann die Kunst aus Ihrer Sicht bei den dynamischen Veränderungsprozessen unterstützen, die das Bankengeschäft gerade erfährt?

dr.ses: Die Arbeit als „Banker“ hat sich durch die Digitalisierung verändert. Wenige Kund:innen suchen noch die Bank persönlich auf. Mitarbeiter:innen bieten Dienstleistungen auf allen Kanälen an. Der Arbeitsplatz , auch wenn dieser teilweise im Home-office stattfindet, wird zunehmend zum Treffpunkt, an dem sich alle wohlfühlen möchten. Moderne Büroarbeitswelten bieten Mitarbeitenden einen Ort der Identifikation – ganz besonders, wenn Kunst individuell ausgesucht werden kann. Auch heute noch hat das persönliche Gespräch seine Bedeutung. Termine mit Kund:innen werden individuell vereinbart. Sie empfinden ein Kunstkonzept nicht selten als Anknüpfung für ein Gespräch in der Beratungssituation.

emkb: Sie sagen: „Genossenschaften haben Werte in der DNA“ – was ist für Sie an dieser 1849 begonnenen Idee heute höchst aktuell und wertvoll?

dr.ses: Gemäß der EU-Taxonomie sind Unternehmen verpflichtet, die Bereiche E-Umwelt / S-Social und G-Governance , kurz ESG bei ihren wirtschaftlichen Aktivitäten umzusetzen. Ich bin seit Jahren beim Institut für Corporate Governance der deutschen Immobilienwirtschaft engagiert. Nachhaltigkeit und Sustainability sind keine Erfindung der Neuzeit. Die Gründungsidee der „Genossenschaft“ war diesen Anforderungen weit voraus.

Genossenschaftsbanken verstehen sich als werteorientiert. Die Ziele gehen über diejenigen reiner Wirtschaftsbetriebe hinaus. Zu den traditionellen Werten zählen Partnerschaftlichkeit, Transparenz, Solidarität, Vertrauen, Fairness und Verantwortung sowie Bodenständigkeit. Die Werte der Genossenschaft sind „immaterielles Kulturerbe“ der Unesco.

Damit sind Genossenschaften sind heute aktueller denn je!

Ich freue mich darüber eine Reihe von Genossenschaftsbanken beraten zu dürfen – und damit für werteorientierte Unternehmen zu arbeiten.

Es grüsst Sie herzlich
Ihre Eva Mueller

 

Wenn Sie noch mehr erfahren wollen:
Ertle-Straub: Genossenschaften haben das E-S-G in der DNA , ICG (Hrsg.), Ausgabe 1/2022
Ertle-Straub: Der Aufsichtsrat im Wandel der Zeit, in: Genograph 04/2021, S. 8-10