Berggasthof Streichen
„Das Alte auf neue Weise tun – das ist Innovation“
Joseph Alois Schumpeter
Der Saumpfad zwischen dem heutigen Tirol und oberbayerischen Schleching gab dem Berg den Namen „Streichen“ (mittelhochdeutsch „strich“). Er scheint einen der ältesten Orte in dieser Gegend zu bezeichnen. Frühe Funde gibt es schon um 1200 v. Chr.
Eine Burg der Ritter von Strichen, Hartwic und Chuno, ein Kirchort, später Mesnerhaus, während der spanischen Erbfolgekriege 1704 niedergebrannt und 1707 wieder aufgebaut – bis sich 1883 Baronin und Baron von Winkelhofen am Streichen niederliessen. Deren Magd Anna Strohmayer erbte das Anwesen. Erst mal schenkte sie nur Kaffee an Wallfahrtsgäste und Wanderer aus. Langsam aber stetig entwickelte sie daraus, gemeinsam mit ihrem Mann Franz, ein florierendes Gasthaus.
2020 stirbt ihr Sohn Franz und die Menschen in Schleching treibt die Frage um, was nun mit diesem ganz besonderen Ort geschieht. Die Streichenfreunde gründen sich. Und fragen Yvonne und Thomas Wilde, die seit 30 Jahren vor Ort sind und in München eine international erfolgreiche Kommunikationsagentur führten, ob sie eine hilfreiche Idee hätten. Das haben die Beiden. Sie setzen sich mit grossem Engagement und einer beträchtlichen Summe für den denkmalgeschützten Wiederaufbau des Berggasthauses ein.
So ein Projekt ist nur mit sehr viel Wissen und Unterstützung zu stemmen. Wie gut, dass es den Verein Kulturerbe Bayern e.V. gibt. Eine bürgerschaftliche Bewegung, nach dem Vorbild des englischen National Trust gegründet, seit 2018 Stiftung. Kulturell wertvolle Gebäude sollen so lebendig erhalten werden.
Das passt für den Streichen, an dem sich so lange Zeit Geschichte abgespielt hat, Generationen ihre Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen in der St. Servatius Kapelle begingen und anschliessend natürlich im Gasthaus nebenan einkehrten.
So soll es wieder sein. Damit das Alte erhalten bleibt – auf neue Weise innovativ, wurden auch alle Kunstwerke und Artefakte gerettet. Im Auftrag der Yvonne und Thomas Wilde Stiftung darf ich das Kunstkonzept für die Neueröffnung im Mai 2026 entwickeln und realisieren. Eine grosse Hilfe, die umfangreiche Geschichte des Ortes besser zu verstehen und somit visuell umsetzen zu können, war mir diese Woche Fritz Irlacher, der ehemalige Bürgermeister Schlechings, ein Streichenfreund und profunder Kenner der Historie.
So kann das Alte auf innovative Weise neu erfahren werden.
Vielleicht schaffen Sie es dann ja mal auf den Berg und wir sehen uns?
Herzlich, Ihre Eva Mueller

Abb.: Fritz Irlacher und Eva Mueller im Gespräch zur Historie des Streichen – im Hintergrund eine Montage des Berggasthofes