Vielen galt Christoph Schlingensief mit seinen Filmen, Performances, Aktionen und Installationen als enfant terrible. Ein Künstler, der gern den Finger in gesellschaftliche Wunden legte. Aufrütteln wollte. Mit der Vision seines Operndorf in Burkina Faso (Westafrika) wollte er einen Ort internationaler Begegnung schaffen. 2010 starb Schlingensief. Seine Frau Aino Laberenz setzt diese Idee seitdem mit Unterstützung bedeutender Protagonisten der Kunstszene und Institutionen konsequent um. Wie komplex sich das Vorhaben entwickelte, konnte niemand vorausahnen.
„Was für eine Oper, wenn in der Krankenstation, die wir bauen wollen, ein neugeborenes Kind schreit“ (Christoph Schlingensief)
Francis Kéré schuf die preisgekrönte, ökologisch nachhaltige, den westafrikanischen Natur- und Lebensverhältnissen entsprechende soziale Architektur. Klimatisch angepasst, mit traditionellen Baumaterialien umgesetzt, von Arbeitskräften vor Ort. Neben dem Festspielhaus, das man mit der Vision Operndorf am ehesten verbindet, entstand eine Schule, Wohnhäuser und Büros für Lehrer:innen, eine Krankenstation.
Das Kulturprogramm richtet sich in erster Linie an die einheimische Bevölkerung. Es werden afrikanische Kinofilme gezeigt, zeitgenössische Theater- und Tanzgastspiele, Konzerte, ergänzt durch Abende mit traditionellen Geschichtenerzählern. Die Schulkinder erhalten Kunst- und Musikunterricht, können an einer Theatergruppe teilnehmen, Workshops mit nationalen und internationalen Künstler:innen oder eine Filmklasse besuchen. Kulturelle, kreative Bildung wird hier ganzheitlich gedacht.
Das Operndorf Afrika ist kein fertiger Ort
„Nichts davon existiert von selbst. Alles muss immer wieder organisiert, getragen und bezahlt werden. Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Kern dieser Idee: nicht von Gesellschaft zu sprechen, sondern sie auszuhalten. Mit Unterricht, Medikamenten, Stromausfällen, kaputten Dächern, Gehältern und offenen Fragen. Das Operndorf … ist Wirklichkeit. … Die aktuelle Herausforderung: Bildung, Infrastruktur, kulturelle Arbeit, medizinische Versorgung und die faire Bezahlung der Mitarbeiter:innen sind dauerhafte Aufgaben. Projektförderungen helfen punktuell, aber sie tragen selten die Struktur, die notwendig ist, damit ein solcher Ort langfristig bestehen kann“, hat mir Tatjana Arens vom Team in Berlin dieser Tage geschrieben.
Die gemeinnützige GmbH Festspielhaus Afrika braucht im Moment dringend zusätzliche Unterstützung, Menschen, die bereit sind, diesen Ansatz praktisch mitzutragen. Allein für das Kulturprogramm braucht das Operndorf 1000 Euro monatlich. Das funktioniert nur durch Spenden.
„Es ist nicht mehr mein Problem!“ Das stimmt vielleicht für Christoph Schlingensief. Aber trifft es auch auf uns zu? Wenn die Welt immer mehr zusammenrückt, politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse keine kontinentalen Grenzen kennen?
Haben Sie Lust auf eine bessere Zukunft? https://www.operndorf-afrika.com/spenden/jetzt-spenden/
Herzlich Ihre Eva Mueller

Abb.: Ausstellung „Es ist nicht mehr mein Problem!“ mit Werken von Christoph Schlingensief im MAK Museum Wien bis 13.9.2026