„Die Kunst ist doch das Allerschönste“ – Paula Modersohn-Becker
150 Jahre ist es her, dass Paula Modersohn-Becker am 8.2.1876 das Licht der Welt erblickte. Nur 31 Jahre ist sie geworden. In dieser kurzen Zeit schuf sie 750 Gemälde und über 2000 Zeichnungen.
Eine Ausnahmekünstlerin. Unsentimental und kompromisslos ging sie ihren Weg. Verliess die ausgetretenen Pfade der Salonmaler. War den ehemaligen Lehrern in der Künstlerkolonie Worpswede weit voraus. Eine Frau, die keinen Zutritt zu den staatlichen Kunstakademien hatte, private Schulen in Berlin, London, Paris, jeden Museums- oder Atelierbesuch bei Kolleg:innen nutzte, um sich weiterzuentwickeln. Immer ihrer Zeit voraus, vorwärts denken und malen, nur nicht stehenbleiben. „Ich glaube, wenn man es zu etwas bringen will, muss man seinen ganzen Menschen dafür hingeben“ schreibt Paula Modersohn-Becker in ihr Tagebuch.*
Sie ist die erste Frau, die sich selbst als Akt darstellt. So etwas verstiess gegen alle tradierten Vorstellungen. Nicht umsonst war den Frauen der Zugang zur akademischen Welt, den Aktmodellen und Anatomiestunden verwehrt. Modersohn-Becker holte sich dieses fundamentale Wissen über den menschlichen Körper bei ihren Studienaufenthalten in Paris.
Nur wenige erkannten die Genialität
Rainer Maria Rilke schreibt nach langer Bekanntschaft erst 1906: »Das merkwürdigste war, Modersohns Frau (!) an einer ganz eigenen Entwicklung ihrer Malerei zu finden, rücksichtslos und gradeaus malend, Dinge, die sehr worpswedisch sind und die doch noch nie einer sehen und malen konnte. Und auf diesem ganz eigenen Wege sich mit van Gogh und seiner Richtung seltsam berührend.«*
20 Jahre nach ihrem Tod, wird ihr zu Ehren 1927 ein weltweit erstes Museum eröffnet, das sich allein dem Werk einer Künstlerin widmet. Seitdem ist sie als massgebliche Wegbereiterin der Moderne in renommierten Ausstellungshäusern von Paris bis New York zu entdecken.
Tauchen Sie ein in die unverwechselbare Bilderwelt dieser phänomenalen Künstlerin:
„Becoming Paula“ bis 13.9.26 im Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
„Paula Modersohn-Becker. Gross und einfach gesehen“ in der Kunsthalle Bremen
„Impuls Paula“ bis 1.11.26 in der Worpsweder Kunsthalle
„Dass solch ein Künstler mich ernst nimmt… die Anfangszeit des Künstlerpaars“ bis 1.11.26 im Museum am Modersohn Haus
„Paula Modersohn-Becker – Landschaften“ bis 24.5.26 im Otto Modersohn Museum in Fischerhude
Wunderbar von ihr selbst zu lesen: „Kunst ist doch das Allerschönste“ Paula Modersohn-Becker, Briefe einer jungen Künstlerin, Insel-Bücherei Nr. 1299
Nicht zuletzt ein aufschlussreicher Film über Paula Modersohn-Becker in der Arte Mediathek: https://www.arte.tv/de/videos/127499-000-A/paula-modersohn-becker-keine-kompromisse/
Herzlich Ihre Eva Mueller

Abb.: Paula Modersohn-Becker von links nach rechts:
„Worpsweder Bauernkind auf einem Stuhl sitzend“, Tempera auf Leinwand, 90×61 cm, 1905
„Selbstportrait mit Kamelienzweig“ Öltempera auf Pappe, 61,5×30,5 cm, 1906/07
„Alte Armenhäuslerin im Garten mit Glaskugel“, Öl auf leinwand, 96.3×80.2 cm, 1907