Der richtige Rahmen – Wie Kunst wirklich strahlt
Ob ein Gemälde seine volle Wirkung entfalten kann, hängt massgeblich davon ab, ob der richtige Rahmen gewählt wurde. Kunst ist sensibel: Sie reagiert auf grelle Farben im Raum, auf dominierende Deko-Elemente oder sogar auf ein Blattwerk, das so gar nicht zur feinen Linienführung passt. Doch nichts steht dem Bild näher als sein Rahmen – oder, davor, ein Passepartout. Doch wie findet man die perfekte Umrahmung? Hier ein paar wertvolle Gedanken dazu.
Das Bild führt die Regie
Wählen Sie den Rahmen nicht nach Ihrer Einrichtung, sondern nach dem Kunstwerk selbst. Der Rahmen ist die natürliche Erweiterung des Bildes und zugleich seine klare Abgrenzung zum Raum.
Papierarbeiten: Weniger ist mehr
Je hochwertiger das Bild, desto zurückhaltender sollte der Rahmen sein. Schmale, feine Holz- oder Alurahmen sind ideal. Der passende Holzton für einen harmonischen Gesamtklang lässt sich nur im direkten Vergleich mit dem Werk bestimmen. Achten Sie auf Zurückhaltung. Bunte Leisten sind höchst verdächtig. Oft gibt es sie nur, weil der Inhalt z.B. bei Plakaten oder Offsetdrucken nicht genug hergibt und so irgendwie bedeutungsvoller aussehen soll.
Eine Ausnahme bilden historische Rahmen, die von den Künstler:innen selbst gestaltet wurden – dazu später mehr.
Der richtige Rahmen für Objekte: Raum zum Atmen
Für Objekte oder Malerei auf dickem Büttenpapier eignet sich ein Objektrahmen mit Abstandshalter. So entsteht vor dem Glas ein luftiger Raum, in dem das Werk seine volle Wirkung entfalten kann.
Glas: Klarheit und Schutz
Hochwertige Gemälde verdienen entspiegeltes Museumsglas. Es garantiert eine optimale Farbwiedergabe, schützt vor UV-Strahlung und lässt Kontraste und Konturen so klar erscheinen, als gäbe es kein Glas davor. Normales Glas hat oft einen leichten Grünstich, während Weissglas farbneutraler wirkt. Acrylglas bietet sich in Ausnahmefällen an, wenn es um Gewichtsreduzierung geht.
Passepartout: Der unsichtbare Vermittler
Farbton und Abstand des Passepartouts entscheiden mit über die Wirkung. Nutzen Sie Muster, um den idealen Rand zu finden. Wichtig: Verwenden Sie stets säurefreien, altersbeständigen Museumskarton. Soll das gesamte Bild sichtbar bleiben, bietet sich ein Klapppassepartout an – die Malerei wird auf dem unteren Karton befestigt, mit einem dezenten Abstand von etwa 0,5 cm zum darüberliegenden Ausschnitt.
Der richtige Rahmen für Fotografien: Abstand ist alles
Fotografische Arbeiten dürfen niemals direkt am Glas anliegen. Ein passendes Passepartout schafft den nötigen Abstand und schützt das Werk.
Die richtige Rahmenhandlung*
Werner Murrer forscht seit Jahrzehnten, welcher Rahmen zu welcher Epoche und welchen Künstler:innen passt. Sein Wissen ist unersetzlich – nicht nur für Museen auf der Suche nach Originalrahmen, sondern auch für zeitgenössische Kunst von höchstem Anspruch.
Wir haben nur einen winzigen Teil der relevanten Themen für die richtige Rahmenwahl angesprochen – es ist eine eigene Wissenschaft.
Mit herzlichen Grüßen
Eva Mueller
* https://www.murrer-rahmen.de
