Faszination Schnee

Wie ist das mit der Faszination für Schnee, fragte mich diese Woche Matthias Finger vom Deutschlandfunk Kultur für die Sendung Echtzeit, Magazin für Lebensart.

Wofür steht der Schnee? Welche Gefühle löst er aus? Ist der Schnee ein bedeutendes künstlerisches Thema? Ja, interessanterweise sehen wir verschneite Landschaften in allen Kulturen. Japanische Farbholzschnitte aus der Edo-Zeit im 17. Jh. zeigen auf zauberhafte Weise den Flockenfall. Der Begriff „Setsu Getsu Ka“ (Schnee Mond Blüte) steht für Stille, Reduktion, Klarheit. Scheinbar leere, weisse Flächen ermöglichen uns das „Dazwischen“ intensiver wahrzunehmen.

Auch bei uns gibt es Jahreszeitenbilder. Peter Breughel der Ältere malte 1565 die realistische Situation der „Jäger im Schnee,“ die nur wenig erbeuteten. In einem besonders kalten Winter der sogenannten „kleinen Eiszeit“. Auch wenn hier einige Eisläufer:innen zu sehen sind, Schnee ist in dieser Epoche bedrohlich, verbunden mit Kälte und Hunger!

Faszination Schnee

Während Caspar David Friedrich mit seinen aufgetürmten Eisschollen diese Gefahr noch mal deutlich vor Augen führt, beginnt in der Vorromantik um 1800 die Faszination für verschneite Landschaften. Anfang des 20. Jh. entstehen die berühmten Alpenlandschaften von Franz Hodler oder Giovanni Segantini. Und schon bald wecken mondänen Gestalten in Tamara de Lempickas Gemälde „St. Moritz“ – Vorbild für die folgenden Wintertourismusplakate – die Sehnsucht nach Sonne und Schnee. Wir haben die Natur bezwungen und mit Schneekanonen domestiziert, es scheint nur noch zum Spass zu schneien. Liebesgeschichten in Bergfilmen z.B. von Louis Trenker ab 1920 tun ihr übriges den Schnee zu mystifizieren.

Die grosse Stille

Es ist ja auch beeindruckend: Wenn es nachts geschneit hat und am Morgen alles ganz anders aussieht. Der Schnee hat alles zugedeckt. Stille ist eingekehrt. Alles wirkt rein, neu, unberührt und unschuldig.

Was wird passieren, wenn der Schnee immer seltener wird und schliesslich in unseren Breiten ganz verschwindet? Die Folgen der Klimakatastrophe sind natürlich ein Thema in der zeitgenössischen Kunst. Im Park der Fondation Beyeler in der Schweiz steht ein freundlicher Schneemann von Peter Fischli und David Weiss im Park – im Kühlschrank (neuerdings solarbetrieben).

In den beeindruckenden Werken von Ulrike Heydenreich bleibt uns die Erinnerung an faszinierende Schneelandschaften.

Es grüsst Sie aus dem nur wenig verschneiten Grünwald,
Ihre Eva Mueller

Hier gehts zum Beitrag im Deutschlandfunk Kultur, Echtzeit: https://www.deutschlandfunkkultur.de/sehnsucht-nach-weiss-annaeherung-an-ein-besonderes-verhaeltnis-100.html

Abb. oben: „Jäger im Schnee“ von Pieter Breugel der Ältere, 1565, 117×162 cm, Kunsthistorisches Museum Wien

Abb. unten: „Panoramastudie 30“ von Ulrike Heydenreich, 2011, mehrlagige Papiercollage aus Pergaminpapier, Papier, Laserdruck, 64 x 96 cm

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