Mit Kunst die Krise aus den Köpfen bringen

Beraterin Eva Mueller ermuntert Firmen, gerade in schwierigen Zeiten das Schöne nicht zu vernachlässigen:

“Alles nur nach dem Geldwert zu bemessen, ist ein Fehler, sagt Kunstberaterin Eva Mueller. Sie fordert mehr Wertschätzung für die Kunst in Unternehmen”.

Interview mit Eva Mueller in der Passauer Neuen Presse: Mit Kunst die Krise aus den Köpfen bringen
Das Gespräch führte Alois Schiessl

Passau. Kunst und Krise – wie passt das zusammen? Wenn knallhart gespart werden muss, steht wohl den wenigsten Unternehmern der Sinn danach, Gemälde, Fotos oder Skulpturen für die Firma auszusuchen. Falscher Ansatz, meint Eva Mueller. Die Münchner Kunstberaterin hat schon mehrere Projekte in Ostbayern verwirklicht. Sie sagt: Gerade jetzt kann Kunst viel bewirken – mit Kunst die Krise aus den Köpfen bringen.

Die Finanzkrise schlägt voll auf die Wirtschaft durch. Vielen Firmen geht es schlecht, was nicht selten zu Einsparungen auch bei den Mitarbeitern führt. Ist das Thema Kunst in Unternehmen derzeit nicht deplatziert?
Mueller: Gerne jetzt, wenn wir die Ursachen der Finanzkrise analysieren, zeigt sich, dass nur innere Werte dauerhafte äussere Werte schaffen. Wege zu einer neuen ökonomischen Kultur sind gefragt. Kunst spiegelt die Werte- und Unternehmenskultur auf ganz besondere Weise. Sie ist kein Luxus, den man sich in guten Tagen leistet und in schlechten wieder einstellt. Wenn unsere Gesellschaft mit unserem Kulturgut so umgehen würde, dass sie in konjunkturellen Schwächezeiten alle kulturellen Aktivitäten einstellen würde, wären wir sehr bald ein sehr armes Land. Gerade der Fehler, alles nur am Geldwert zu messen, würde noch verstärkt.

Welche Vorteile bringt es einem Unternehmen, wenn Kunst in den Büros hängt oder im Vorplatz steht?
Mueller: Wenn Einsparungen die Unternehmenskultur betreffen, dann schadet das den Mitarbeitern auf ganz besondere Weise. Jeder weiß, dass wir sehr stark auf die Symbole und Zeichen in unserem Umfeld reagieren – ob bewusst oder unbewusst. Die Furcht, in diesen Zeiten den Arbeitsplatz zu verlieren, beeinträchtigt in den betroffenen Firmen das Betriebsklima auf eklatante Weise. Sollte man wirklich annehmen, dass die Mitarbeiter sich besonders darüber freuen, wenn ihr Arbeitsumfeld billig und lieblos gestaltet ist? Kunstwerke unterstützen die Integrität, Identifikation und Motivation bei Mitarbeitern, Kunden und Gäste erkennen die Identität eines stimmigen Kunstkonzepts, das genau die Werte und Inhalte des Unternehmens repräsentiert und erfahren die Wertschätzung, die damit enthalten ist.

“Mitarbeiter schätzen ein Wohlfühl-Umfeld”

Wie sollte bei der Kunstauswahl vorgegangen werden, damit die Mitarbeiter nicht sagen: Dafür ist Geld da, für Lohnerhöhungen nicht?
Mueller: Unsere Kunstkonzepte unterstützen ja gerade die Mitarbeiter im täglichen Arbeitsalltag, deshalb beziehen wir sie selbstverständlich mit ein: Bei Berger Holding in Passau etwa haben wir die Mitarbeiter befragt, auf welche Projekte sie besonders stolz sind. Die Antworten wurden künstlerisch umgesetzt, indem ungewöhnliche Ansichten und Ausschnitte aus den jeweiligen Arbeitsbereichen dargestellt wurden. Ein solches Ambiente sorgt für Stolz und Identifikation: Bei Kundenbesuchen weisen die Mitarbeiter gerne darauf hin, kommen über die Fotos ins Gespräch und werden auch selbst gestärkt durch die visuelle Botschaft der Bilder. Niemand käme auf die Idee, den meist einmaligen Etat für Kunst in Beziehung zu Lohnerhöhungen zu setzen, die ja langfristig bezahlt werden müssen. Die Wertschätzung, die sich darin ausdrückt, dass man für Mitarbeiter ein Umfeld schafft, in dem sie sich wohlfühlen und daher leistungsfähiger sind, ist nicht hoch genug einzuschätzen.