Kunst regt Kommunikation an

Nicht weniger als 72 Prozent der befragten berufstätigen Deutschen wünschen sich Kunst am Arbeitsplatz. Zwei Drittel glauben, die Produktivität wird dadurch gesteigert, der Stresspegel gesenkt und die Kreativität gefördert. Dies ergibt eine aktuelle Studie von OnePoll. Die  Volksbank Breisgau Markgräflerland eG kennt diese positiven Effekte seit ihrem ersten Neubau im Gewerbepark Eschbach. Und hat nun in ihrem zweiten Gebäude, das zum Teil vermietet wurde, die  Eva Mueller Kunstberatung, Grünwald bei München, beauftragt, erneut ein schlüssiges und qualitativ hochwertiges Kunstkonzept umzusetzen.

Besonderer Schwerpunkt der Kunstauswahl war die Unterstützung der Fusion der Volksbanken Breisgau Süd und Müllheim. Die Kunstberaterin hat sich dazu speziell in der Kunstszene der Region umgesehen, damit sich die Mitarbeiter in den Sujets wiederfinden und so eine gemeinsame Identität entwickeln können.

Die oben genannte Studie zeigt allerdings auch, dass es noch lange keine Kunst ist, wenn nun selbst „gebastelt und gemalt“ wird. Deshalb vertrauen Unternehmensentscheider auf die externe professionelle Auswahl, um Offenheit und Agilität zu fördern. Gerade heute sei es nötig, über den eigenen Arbeitsblickwinkel und Tellerrand hinaus gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge mit einem tieferen Verständnis für die eigene Tätigkeit und deren Konsequenzen und Möglichkeiten zu erfassen.

Kunst im Unternehmen fördert Kontakte und regt die Kommunikation auf einzigartige Weise an. Sie bewegt, berührt, inspiriert, verbindet, beflügelt, verschönert – und macht fit für die Zukunft, meint Eva Mueller ( www.kunstberatung.de).

Manager Magazin – Rent a Warhol

Artikel von Sarah J. Tschernigow – 24.10.2012

Die Malerei über dem Schreibtisch, die Skulptur im Empfangsbereich –
Kunst kann Mitarbeiter inspirieren und ist gut fürs Image. (…)

Markus Weber aus Nürtingen, Raum Stuttgart, glaubt fest daran, dass Kunst ein angenehmes Arbeitsklima schaffen kann. Der 44jährige ist bei der Volksbank Nürtingen für Marketing und Vertriebsmanagement verantwortlich und erläutert: “Kunst war für uns immer ein Thema. Das gibt dem Raum einfach eine andere Atmosphäre.”

Viele Jahre gab es in den Büros der Volksbank wechselnde Kunstausstellungen, mal Aquarelle, mal Fotografien, beispielsweise Werke aus der bekannten Fotosammlung der Deka-Bank. Schliesslich liess sich die Bank von der Kunstberaterin Eva Mueller beraten, als sie ihren Neubau plante und alles konsequenter angehen wollte.

Auch Utho Preußen, Eigentümer des Beratungsunternehmens “Positive Leadership” in Ingolstadt liess sich von Eva Mueller beraten “Kunst zu kaufen ist eine Frage des Mutes. Deshalb sollte man sich mit den Werken länger auseinandersetzen, um herauszufinden, ob sie zum Unternehmen passen.”

Damit spielt der 56 jährige nicht nur auf die Ästhetik eines Werkes an, sondern auf dessen Botschaft. Vor Jahren, als Creusen noch Geschäftsführer der Media Saturn Holding war, erhielt er über die Kunstberatung Eva Mueller eine Portraitreihe. “Die Bilder stellten einfach die Gesichter von Menschen in ihrer Individualität dar.” Die Individualität, das “Auf-den-Einzelnen-Eingehen”, das war sein Anliegen als Personalverantwortlicher im Vorstand – und das sollte auch als Firmenphilosophie nach außen getragen werden.

Nach einer Weile hatten sowohl Utho Preußen als auch Markus Weber das Bedürfnis die Kunst am Arbeitsplatz in ihrer Funktion als Botschafter zu optimieren. Dabei half die Kunstberaterin Eva Mueller aus Grünwald in München. Unternehmer würden zunehmend begreifen, wie wichtig auch die vermeintlich nebensächliche Kunst in ihren Räumen sein könne, dass sie mehr sei als Dekoration: “Wir verbringen die meiste Zeit am Arbeitsplatz”, erklärt Eva Mueller. “Die Arbeitsräume haben eine große Bedeutung für das Wohlbefinden der Menschen. Kunst kann einen guten Input geben und Mitarbeiter inspirieren. Es ist auch eine tolle Möglichkeit, Veränderungspotenzial ins Unternehmen zu bringen.”

Bevor sie passende Objekte findet, gibt es eine genaue Bestandsaufnahme: Wie sind die Räume und Gänge beschaffen? Wer arbeitet hier? Wie lautet die Philosophie? Es gibt kleinere Projekte, wo wir eine Kanzlei für 5000 Euro beraten. Oft aber sind es langjährige, größere Aufträge.”

Das umfassendste Projekt war die künstlerische Ausgestaltung eines neuen Four Seasons Hotels in Südfrankreich. Mehr als tausend Objekte für den Innen- und Außenbereich wurden von der Kunstberaterin ausgewählt und besorgt; eine Arbeit von mehreren Jahren.

Bei Utho Preußen ging es schneller, doch auch er hat mehr als ein Jahr lang mit Eva Mueller an einem Kunstkonzept für seine Firma gearbeitet und am Ende ein Firmensymbol entwickelt: Eine Jongleuren. “Wir wollten damit ausdrücken, dass wir ganzheitlich denken, uns aber auch an die Gegebenheiten anpassen. Dazu gehört es, mehrere Bälle gleichzeitig in der Hand zu haben, sie richtig abzuwerfen und wieder aufzufangen.” Jetzt, wo mit großem Aufwand die Vision des Unternehmens künstlerisch hieb- und stichfest durchdacht wurde, ist Utho Preußen zum Kaufen übergegangen. Angeschafft wurde eine zwei Meter hohe Plastik, eine Jongleurin aus Bronze. Miniaturausführungen davon verschenkt er an Kunden.

Die Volksbank wollte eine Volks-Bank 

Was das gekostet hat, will Creusen nicht verraten, nur so viel: Die Investition habe sich gelohnt. “Wir merken, dass sich die Wahrnehmung der  Menschen verändert hat. Kunden sprechen uns auf die Kunst an, es entsteht Gespräche. Wir erläutern die Symbolik und die Kunden sagen: Ja, das verstehe ich jetzt.”

Auch Markus Weber von der Volksbank ist teilweise zum Kaufen übergegangen. Die zwei Bürogebäude in Kirchheim und Nürtingen fusionierten und damit auch die Kunst. “Es war ein bunter Mix ohne klare Linie.”, sagt Weber. “Wir hatten einen Hundertwasser, daneben andere Kunstdrucke und an den Arbeitsplätzen der Mitarbeiter hingen deren private Fotos.” Für die Neugestaltung durften die Kollegen die Kunst mit aussuchen. Weber resümiert: “Die Kommunikation im Haus hat sich völlig verändert. Wir kommen tatsächlich über die Kunst miteinander ins Gespräch und reden dann automatisch über die Philosophie des Hauses.”

Für die Kunden wurde jetzt sogar ein ganz spezieller Kunstwunsch in Auftrag gegeben: eine Volksbank im wörtlichen Sinne, als Bank fürs Volk. “Es wird eine Sitzbank, in die Objekte eingearbeitet werden, die die Menschen gerne in einer Bank vergessen: Münzen, Schlüssel, oder Kopfhörer.”

Es klingt ein wenig so, als sei das Leihen von Kunst in Artotheken für Unternehmen nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur endgültigen Selbstfindung. Aber das stimmt nicht, meint zumindest Kunstberaterin Eva Mueller. “Ich würde dann kaufen, wenn es darum geht, eine Identität für das Unternehmen zu erarbeiten, das Profil zu schärfen. Leihen hingegen ist überall dort sinnvoll, wo immer neue Impulse reinkommen und wo es um Veränderung geht.”

Und ob nun kaufen oder leihen, die Kunstberaterin findet es wichtig, dass Unternehmen Kunst als wichtigen Faktor ernst nehmen. “Wenn ein Autokonzern einfach Fotos von Autos in die Flure hängt, ist das ziemlich platt.” Sie fügt hinzu: “Übrigens muss moderne Kunst nicht hässlich sein. Es herrscht oft noch der Tenor: Nur wenn es richtig bedrohlich und abschreckend rüberkommt, ist es moderne Kunst. Aber wenn mich das Gemälde einfach nur depressiv macht, oder nervt, kann ich nicht arbeiten.”

Motivationstrainer Kunst

Der Trend zur Sparsamkeit hält in den meisten Unternehmen an. Experten raten trotzdem großzügig bei der Raumgestaltung zu sein. Denn langfristig zahlt sich das aus.

Artikel in der Vogue Business – Karriere – von Bettina Koch: Motivationstrainer Kunst

Der Weg zur Kantine und in die weit verzweigten Trakte der Allianz-Hauptverwaltung in München verläuft unterirdisch. An die 1000 Mitarbeiter und Besucher nutzen täglich das 500 Meter lange Tunnelsystem zwischen Leopoldstraße und Englischem Garten. Beklemmende Gefühle bleiben dank der faszinierenden optischen und akustischen Eindrücke aus. So schlendert – oder eilt – man beispielsweise an einer Lichtinstallation aus wechselnden Farben vorbei und hört dabei im Hintergrund das Konzert von imaginären Dschungelvögeln, betrachtet 15 Meter breite Fotografien von Andreas Gursky oder bewegt sich durch eine auf Wände, Boden und Decke gemalte Spirale des Künstlerinnen-Duos Haubitz und Zoche. “Diese Gänge schaffen buchstäblich Kommunikation, also Verbindungen”, sagt Georg Freiherr von Gumppenberg, Kunstsachverständiger bei der Allianz.(….)

Nach Ansicht von Jochen Kienbaum, 58, Chef der gleichnamigen, weltweit operierenden Unternehmensberatung, wirkt sich Raumgestaltung nach außen ebenso wie auch innen aus. (…) “Kunst macht einen Betrieb interessanter. Sie bringt andere Facetten in den Büro-Alltag und wertet den Arbeitsplatz auf” findet er (…)

Kunstwerke geben Denkanstöße und inspirieren zu neuartigen Lösungen

In einer Studie, die Eva Mueller, selbstständige Kunstberaterin in München, mit der Fakultät für Wirtschaftspsychologie der Ludwigs-Maximilians-Universität in deutschen Firmen durchführte, betonen Angestellte immer wieder, dass Bilder und Plastiken ihnen Denkanstöße geben und sie zu neuartigen Lösungen anregen. Den emotionalen Aspekt einer solchen ästhetischen Ausstattung hat Mueller zu ihrem Schwerpunkt gemacht, denn “Menschsein heißt Schönheit wahrnehmen zu können und daraus geistige Kraft zu schöpfen.” Kunst sei ein probates Mittel, um Engagement, Begeisterung und Kreativität zu fördern. Der tägliche Umgang mit ihr schule zudem das allgemeine Qualitätsempfinden. (…)

Eva Mueller ist überzeugt, dass sich die Investition nicht zuletzt deshalb lohnt, weil man damit Signale setzt: für Kompromisslosigkeit, Risikobereitschaft, neue Wege, langfristiges Denken, je nachdem. “Man hebt sich ab – und bekommt im Gegenzug herausragende Leistungen zurück.”

Das Budget für solche Projekte müssen dabei nicht riesig sein. “Bei kleineren Unternehmen genügen wenige Bilder, um das Raumklima zu verändern” sagt Mueller. Wesentlich sei, nicht aus finanziellen Gründen auf reine Dekoration auszuweichen. “Plakate haben keine Aura und stoßen keinen kreativen Prozeß an”. Als sie das Four-Seasons-Resort “Terre Blanche” in Tourrettes, Südfrankreich mit tausend Objekten schmückte, bestand sie darauf, einige in der Kantine zu platzieren. “Wenn jemand in einem Hotel beschäftigt ist, in dem Kunst einen derart hohen Stellenwert einnimmt, muss er das auch in seinem eigenen Tätigkeitsbereich erleben!” (…)

So bringen Bilder Veränderung in Gang. Als Eva Mueller vor Jahren eine Bausparkasse, die ihr biederes Image loswerden wollte, ausstattete, kam eine Kundenberaterin auf sie zu und schimpfte: “Wir sind ein seriöses Haus!” Mueller nahm das als Beleg den richtigen Nerv getroffen zu haben: “Diese Frau verkörperte die alte Haltung.” Insbesondere für Banken und Versicherungen, die ähnliche Dienstleistungen und Produkte anböten, könne Kunst als Mittel zur Unterscheidung und Profilierung dienen. (…)

Den Mitarbeitern würde auf diese Art das Gefühl vermittelt, Teil von etwas Besonderem zu sein. “Gerade wenn sie ein Gegenpol zu den Inhalten der Arbeit ist, kann sie ihre Möglichkeiten entfalten und äußerst anregend sein”, sagt Eva Mueller. Das trage wesentlich dazu bei, eine kreative Stimmung zuschauen. Sogar Humor hat daher in ihren Konzepten Platz. In den Sitzungsbereich des Four Seasons hängte sie eine Schiefertafel des documenta-Künstlers Ben Bautrier, die neben einer kleinen Glocke die Aufschrift trägt: “if you know the truth ring the bell”. An einem Ort, wo häufig gegensätzliche Ansichten aufeinander prallen, löst sich dadurch Spannung eher in Wohlgefallen auf.

Die Kunst will uns etwas über das Leben sagen

NTZ, 29.10.2012

In der neu gestalteten Kundenhalle der Volksbank Kirchheim-Nürtingen
wurden die Nürtinger Kunsttage eröffnet – Skulpturen von Lothar Seruset

von Anneliese Lieb
NÜRTINGEN. Die Kunst will uns etwas über das Leben sagen

Die neu gestaltete Kundenhalle der Volksbank Kirchheim-Nürtingen bot am Freitagabend den idealen Rahmen für die Eröffnung der Nürtinger Kunsttage. Kunst braucht Raum. Und den hat die Volksbank in der Kundenhalle und in den Schaufenstern für die Skulpturen von Lothar Seruset geschaffen. Sowohl innen als auch außen kann der Betrachter in einen spannenden Dialog mit Serusets außergewöhnlichen Figuren treten.

„Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Mensch. Lothar Seruset zeigt uns mit seinen Figuren, wie verschieden Menschen sind, wie unterschiedlich in ihrem Aussehen, ihrer Haltung zu den Dingen und dem, was ihnen wichtig ist“, sagte Wolfgang Mauch, Vorstandsmitglied der Volksbank, bei der Ausstellungseröffnung vor rund 150 Besuchern. „Seine Figuren werden uns in diesen Wochen mit ihrer Ausdruckskraft inspirieren.“

Die teilweise fast lebensgroßen Figuren des in Berlin lebenden Künstlers (er war am Freitag persönlich anwesend) sind ausdrucksstark. Kunst, die den Menschen etwas über das Leben sagen will. Die Aussage selbst entsteht im Kopf des Betrachters, Lothar Seruset macht aber auch Vorgaben. Seine Figuren tragen oder stemmen die ungewöhnlichsten Dinge. Fische, Hunde, ein Haus oder eine Krone. Sie stehen auf Autos, Totenköpfen oder auf einem Fisch. Manches erstaunt, anderes kommt absurd daher oder erheitert, ja verleitet zum Schmunzeln. Seine Gestalten sind trotz äußerlicher Verwandtschaft doch recht individuell. Figuren mit großen Händen, knolliger Nase, Bauchansatz, Hängebrüsten, tief liegenden Augen, mit Krawatte, mit Kleid oder in der Badehose.

Einführung in die Ausstellung durch die Kunstberaterin Eva Mueller

„Auf äußerst selbstverständliche und ernsthafte Weise stehen sie auf dem Kopf und halten die Balance. Ganz versunken und schicksalsergeben lebt jeder von ihnen im eigenen Kosmos und zeigt, wie leicht wir uns mit dem identifizieren, was wir auf oder im Kopf tragen“, so Eva Mueller, Kunstberaterin aus München, die zur Auseinandersetzung mit Serusets Skulpturen einlud. Die Figuren sind aus wildem Holz. Der Bildhauer hat sie mit der Motorsäge oder mit dem Stechbeitel bearbeitet – mal mit rauer Oberfläche, dann wieder mit farbigen Akzenten. Seine Charaktere spielen ihre Rolle überzeugend. Seruset hat an der Hochschule der Künste in Berlin Bildhauerei und Malerei studiert. Seine Figuren entstehen in der überwiegenden Mehrzahl in seinem Atelier in Brandenburg.

„Menschen wie wir, durch das Leben gekennzeichnet. Figuren, die dem Betrachter den Spiegel vorhalten.“ Eva Mueller, Kunstexpertin und diplomierte Sozialwissenschaftlerin, führte nicht nur in die Ausstellung zur Eröffnung der Kunsttage ein, sie hat die Volksbank auch bei der Auswahl der Kunstwerke für die neu gestalteten Räume des Kreditinstitutes beraten.

Die Nürtingen Kunsttage

Kunst gibt es seit Freitag aber nicht nur in den Schaufenstern der Volksbank. Die Nürtinger Kunsttage sind die bedeutendste Veranstaltung des Nürtinger Werberings. „Zum 24. Mal zeigen wir in fast 80 Geschäften, Banken und öffentlichen Einrichtungen Kunst in jeder Art“, so Werbering-Vorsitzender Frieder Henzler. Aus einer unkonventionellen Idee im Jahr 1988 entwickelte sich eine Veranstaltung, die über die Region hinaus Beachtung findet.

Die ganze Stadt wird zehn Tage lang (bis 4. November) zu einer Galerie. Namhafte Künstler oder weniger bekannte Hobbykünstler präsentieren die ganze Bandbreite unterschiedlicher Techniken und Stilrichtungen. Die Kunst in den Schaufenstern lädt zur Entdeckungsreise durch die Stadt ein. „Nirgendwo können sich lokale und regionale Künstler in dieser Breite präsentieren“, betonte Frieder Henzler.

Dass die Kunsttage zu einem Markenzeichen für Nürtingen geworden sind, erfüllt auch Oberbürgermeister Heirich mit Stolz. Mit dieser Veranstaltung gelinge es, Menschen in die Stadt zu locken, die sonst nicht nach Nürtingen zum Einkaufen kämen.

Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung

12.8.2009
Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung
Petra Mewes

Interview mit Eva Mueller zum Thema „Kunst in der Hotellerie“
in der Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung

Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung:
Wie sollten Hoteliers an das Thema herangehen, wenn sie in ihrem Haus Kunst präsentieren möchten, selbst aber keine Experten sind (das dürften ja die wenigsten sein)?

Eva  Mueller: Das Dilemma selbst nicht Experte zu sein und trotzdem die richtige Auswahl treffen zu müssen, meistern Hoteliers in vielen Fachgebieten. Niemand kommt auf die Idee eine Lichtplanung alleine zu entwickeln. Auf dem Gebiet der Kunst scheint das anders. Häufig wählen auch Innenarchitekten farblich passende Plakate oder Drucke aus. Dies erfolgt dann aber nach rein dekorativen Gesichtspunkten. Immer mehr Menschen besuchen Ausstellungen und interessieren sich für Kunst. Von den Objekten in Hotels sind sie deshalb häufig enttäuscht. Dabei gibt es sehr preisgünstige Werke von soliden Künstlern. Richtig ausgewählt und platziert, lässt sich damit eine einzigartige Atmosphäre erzielen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das besonders anziehend auf Ihre Gäste wirkt.

Galerien sind auf eine bestimmte Stilrichtung spezialisiert, in der sie  ca. 15 Künstler vertreten. Suchen Sie sich also wirklich unabhängige Berater mit breitem Angebot. Das Einfühlungsvermögen in Ihre spezielle Vision, Ihre Zielgruppe von Hotelgästen, ihre Hotelbelange (z.B. nachhaltig beständige und pflegeleichte Oberflächen) ist zu prüfen. Kümmert sich Ihre Beratung auch um die Rahmung und richtige Inszenierung der Kunstwerke, weiß sie um einfache Hotelsicherungssysteme? Kann sie Referenzen vorweisen, die Sie überzeugen?

Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung:
Macht es Sinn, Kunst nur gelegentlich bei besonderen Anlässen bzw. spontan (z.B. durch sich ergebende Kontakte zu einem Künstler) auszustellen?

Eva  Mueller: Erstellen Sie – wie bei allen anderen Aktivitäten – eine klare Kosten-Nutzen Analyse. Können Sie damit andere Gäste oder Zielgruppen aus Ihrer Umgebung ins Hotel locken? Sind die Räume der Ausstellung wirklich für Besucher zugänglich? Können Sie professionelle Pressearbeit dazu leisten? Passt der Anlass, das Thema der Ausstellung, zu Ihrem Haus? Bedenken Sie, dass anerkannte Künstler eine Miete erwarten, wenn Sie keine Exponate verkaufen können. Nur Laienkünstler stellen in Hotels ihre Werke aus, ohne irgendeinen anderen Gegenwert zu erwarten. Überlegen Sie, ob Sie damit wirklich Ihrem Image dienen.

Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung:
Halten Sie es für das Image eines Hotels besser, sich als Kunst-affin oder gar als Künstler-Hotel zu profilieren?

Eva  Mueller: Jede Image-Maßnahme ist nur sinnvoll, wenn sie authentisch zu Ihrer Vision und Mission, zu Ihrer Zielgruppe, Ihrer Einrichtung, Ihrem Stil passt. Ein Hotel mit Laura-Ashley Blümchentapeten wird nicht plötzlich mit jungen Künstlern modern. Es kann höchstens unglaubwürdig werden. Es gibt Hotels ganz ohne Kunst, auch die finden ihre Gäste, wenn sie diese Linie konsequent gehen. Verzichten Sie lieber darauf, anstatt Ihr Image mit Werken in Frage zu stellen, deren Qualität nicht überzeugt. Stehen Sie als Besitzer/in, Hoteldirektorin oder –direktor mit Herz und Seele hinter dem Kunstprogramm? Wenn Sie sich damit wirklich einen Namen machen wollen, brauchen Sie ein überzeugendes Konzept für mindestens drei Jahre.

Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung:
Kunst kann man heute nicht nur kaufen, sondern auch mieten bzw. leasen.
Mit welchen Firmen, Galeristen oder Künstlern arbeitet man da zusammen.
Was sind bei den drei Varianten jeweils die Vor- und die Nachteile?

Eva  Mueller: Ob Sie nun eine Ausstellung machen oder die Kunst leasen, bei allen Anbietern sollten Sie auf die in Frage 1 besprochenen Qualitätskriterien achten. Ist es wirklich ein Vorteil für Ihr Haus, wenn die Kunstwerke wechseln? Erhalten Sie damit mehr Gäste oder werden ihre Stammgäste eher verwirrt und wünschen sich eine prägnante Ausstattung, passend zu Ihrem Stil? Berechnen Sie die Mietkosten auf die gewünschte Zeit, lohnt es sich wirklich langfristig? Bedenken Sie, dass Sie Original Handdrucke von anerkannten Künstlern ab ca. 350 Euro erhalten können.

Allgemeine Hotel und Gastronomie Zeitung:
Wo liegen Stolpersteine bzw. vor welchen Fehlern sollte man sich hüten? 

Eva  Mueller: Alles was Sie tun, sollte Sinn und Bedeutung im Kontext Ihres Hotels und Ihrer Zielsetzung haben. Wenn Sie sich wirklich mit Liebe der Kunst zuwenden wollen, dann achten Sie auf die beste Qualität, damit Ihre Gäste immer wieder gerne zu Ihnen kommen. Und scheuen Sie sich nicht genau nachzufragen. Leider kommt es immer wieder vor, dass in der Kunstszene der Eindruck vermittelt wird, man sei dumm, wenn man etwas nicht versteht. Wer keine Erklärung gibt oder geben will, hat oft keine Qualität zu bieten. Holen Sie sich dafür eine vertrauenswürdige Beratung an Ihre Seite, damit Sie dies kritisch hinterfragen können.

Mit Kunst die Krise aus den Köpfen bringen

Beraterin Eva Mueller ermuntert Firmen, gerade in schwierigen Zeiten das Schöne nicht zu vernachlässigen:

“Alles nur nach dem Geldwert zu bemessen, ist ein Fehler, sagt Kunstberaterin Eva Mueller. Sie fordert mehr Wertschätzung für die Kunst in Unternehmen”.

Interview mit Eva Mueller in der Passauer Neuen Presse: Mit Kunst die Krise aus den Köpfen bringen
Das Gespräch führte Alois Schiessl

Passau. Kunst und Krise – wie passt das zusammen? Wenn knallhart gespart werden muss, steht wohl den wenigsten Unternehmern der Sinn danach, Gemälde, Fotos oder Skulpturen für die Firma auszusuchen. Falscher Ansatz, meint Eva Mueller. Die Münchner Kunstberaterin hat schon mehrere Projekte in Ostbayern verwirklicht. Sie sagt: Gerade jetzt kann Kunst viel bewirken – mit Kunst die Krise aus den Köpfen bringen.

Die Finanzkrise schlägt voll auf die Wirtschaft durch. Vielen Firmen geht es schlecht, was nicht selten zu Einsparungen auch bei den Mitarbeitern führt. Ist das Thema Kunst in Unternehmen derzeit nicht deplatziert?
Mueller: Gerne jetzt, wenn wir die Ursachen der Finanzkrise analysieren, zeigt sich, dass nur innere Werte dauerhafte äussere Werte schaffen. Wege zu einer neuen ökonomischen Kultur sind gefragt. Kunst spiegelt die Werte- und Unternehmenskultur auf ganz besondere Weise. Sie ist kein Luxus, den man sich in guten Tagen leistet und in schlechten wieder einstellt. Wenn unsere Gesellschaft mit unserem Kulturgut so umgehen würde, dass sie in konjunkturellen Schwächezeiten alle kulturellen Aktivitäten einstellen würde, wären wir sehr bald ein sehr armes Land. Gerade der Fehler, alles nur am Geldwert zu messen, würde noch verstärkt.

Welche Vorteile bringt es einem Unternehmen, wenn Kunst in den Büros hängt oder im Vorplatz steht?
Mueller: Wenn Einsparungen die Unternehmenskultur betreffen, dann schadet das den Mitarbeitern auf ganz besondere Weise. Jeder weiß, dass wir sehr stark auf die Symbole und Zeichen in unserem Umfeld reagieren – ob bewusst oder unbewusst. Die Furcht, in diesen Zeiten den Arbeitsplatz zu verlieren, beeinträchtigt in den betroffenen Firmen das Betriebsklima auf eklatante Weise. Sollte man wirklich annehmen, dass die Mitarbeiter sich besonders darüber freuen, wenn ihr Arbeitsumfeld billig und lieblos gestaltet ist? Kunstwerke unterstützen die Integrität, Identifikation und Motivation bei Mitarbeitern, Kunden und Gäste erkennen die Identität eines stimmigen Kunstkonzepts, das genau die Werte und Inhalte des Unternehmens repräsentiert und erfahren die Wertschätzung, die damit enthalten ist.

“Mitarbeiter schätzen ein Wohlfühl-Umfeld”

Wie sollte bei der Kunstauswahl vorgegangen werden, damit die Mitarbeiter nicht sagen: Dafür ist Geld da, für Lohnerhöhungen nicht?
Mueller: Unsere Kunstkonzepte unterstützen ja gerade die Mitarbeiter im täglichen Arbeitsalltag, deshalb beziehen wir sie selbstverständlich mit ein: Bei Berger Holding in Passau etwa haben wir die Mitarbeiter befragt, auf welche Projekte sie besonders stolz sind. Die Antworten wurden künstlerisch umgesetzt, indem ungewöhnliche Ansichten und Ausschnitte aus den jeweiligen Arbeitsbereichen dargestellt wurden. Ein solches Ambiente sorgt für Stolz und Identifikation: Bei Kundenbesuchen weisen die Mitarbeiter gerne darauf hin, kommen über die Fotos ins Gespräch und werden auch selbst gestärkt durch die visuelle Botschaft der Bilder. Niemand käme auf die Idee, den meist einmaligen Etat für Kunst in Beziehung zu Lohnerhöhungen zu setzen, die ja langfristig bezahlt werden müssen. Die Wertschätzung, die sich darin ausdrückt, dass man für Mitarbeiter ein Umfeld schafft, in dem sie sich wohlfühlen und daher leistungsfähiger sind, ist nicht hoch genug einzuschätzen.

SINN-lichkeit – Kunst und CSR

Artikel erschienen in der Zeitschrift “forum – Nachhaltig Wirtschaften – Das Entscheider-Magazin”

Denn wenn mein Bild stark ist,
wird es sich wie ein Samenkorn entwickeln (…)
Und wo hast du schon einen Drang zum Meere gesehen,
der sich nicht in ein Schiff verwandelt hätte?
Antoine de Saint-Exupéry

Was hat das miteinander zu tun – SINN-lichkeit – Kunst und CSR?

Dass sich in der Unternehmenswelt etwas ändern muss, darüber sind sich eigentlich alle einig. Nur: Wie können Unternehmen eine lebendige Kultur entwickeln, in der Werte wie Mitarbeiterbeteiligung, Ethik und Nachhaltigkeit nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben und Auseinandersetzungen mit Kopf und Herz geführt werden – zum Wohl des Ganzen?

Wer CSR im Unternehmen vorantreibt weiß, wie schwer es ist, sich Gehör zu verschaffen. Die Themen Ökologie, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung, werden leider noch immer mit dem mahnenden Zeigefinger und der drögen Aufforderung zum Verzicht assoziiert. Dabei wissen wir aus eigener Erfahrung: Nur was uns Freude macht, überzeugt und begeistert, weckt unsere Leidenschaft für Veränderung, Verbesserung, Weiterentwicklung. Erst dann entsteht die Kraft, die wir brauchen, um uns trotz aller Widrigkeiten zu engagieren.

Diese Energie, diese Zuversicht und Aufbruchsstimmung muss man sehen, hören, fühlen, spüren, vielleicht sogar riechen oder schmecken können.

Das Bedürfnis nach SINN-lichkeit

wurde in unserer Gesellschaft fast vollkommen in den erotischen Bereich abgeschoben. Dabei zeigt dieses Wort, dass sich uns der SINN (als Bedeutungsebene) in erster Linie über die SINNE erschließt. Erst wenn wir unsere Sinne öffnen, sind wir aufnahmefähig, erfahren den Sinn, sichtbar, hörbar, fühlbar. Aber: Häufig wollen wir nicht mehr hören, sehen und fühlen. Ein altes chinesisches Gesellschaftsspiel bestand darin, die Gerüche in über 100 Döschen zu erraten. Wer ist dazu heute noch fähig? Sicher entstand manche Abstumpfung, um beispielsweise heil durch die Abgasluft im Straßenverkehr zu kommen. Andererseits brauchen wir dringend eine erhöhte Wahrnehmungs- und Unterscheidungsfähigkeit, um die nötigen Veränderungen in Gang zu bringen.

Es geht also darum, die Sehnsucht nach dem SINN mit allen Sinnen zu wecken. Die Sehnsucht nach Schönheit, nach guter Luft, gesundem Essen, nach ausgeglichenen Beziehungen, Wertorientierung, fairem Handeln und Wirtschaften.

Neue, visionäre und inspirierende Kommunikationskonzepte sind gefragt

Warum sollte man dabei nicht auf die Kunst setzen, der es seit Jahrtausenden gelingt, existenzielle Themen intelligent und SINN-lich auf höchstem Niveau darzustellen und zu vermitteln? Alle langfristig funktionierenden Gemeinschaften gründen auf einer differenzierten Kunst- und Kulturtradition. In diesem kreativen Bereich ist Raum für scheinbar unvereinbare Widersprüche, für die Komplexität, mit der wir es zu tun haben. Kunst fordert und erfordert Freiheit im Denken – und Verantwortung im Handeln. Sie stellt tiefer gehende, wesentliche Fragen. Künstler sind ihrer Zeit häufig voraus, sie nehmen seismographisch auf, womit wir uns beschäftigen sollten. Sie sind zugleich Visionäre und Traditionserhalter, Mahner und Spinner, Perfektionisten und Unfertige, ihre Arbeiten sind genial und profan, minimalistisch und hedonistisch.

Inspirierende Möglichkeitsräume mit SINN-lichkeit, Kunst und CSR

Professionelle Kunst- und Kulturprojekte sorgen auf einzigartige Weise dafür, das Thema Nachhaltigkeit SINN-lich attraktiv zu präsentieren. Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater bewegen Kopf und Herz. Ungewöhnliche Aktionen rütteln auf und schaffen Bewusstsein: Da spricht plötzlich der Aufzug! Und am Treppenaufgang befindet sich die neueste Statistik: 76 % der Frauen trennen ihren Müll, aber nur 48% der Männer, 32% der Angestellten essen lieber Tomaten aus biologischem Anbau und 12% kommen mit dem Fahrrad in die Arbeit. Während einer Management-Tagung laufen Filme von Kunststudenten, die den Entscheidern in der Konferenz ihre Verantwortung auf inspirierende Weise vor Augen führen. In all diesen Aktionen wird offenkundig: Hier bewegt sich etwas; das ist unser Ziel.

Warum expandiert Google weltweit, hat die höchste Innovationsrate? Liegt es nicht vielleicht auch an der inspirierenden Arbeitsatmosphäre, der Rutschbahn, mit der man von einem Stockwerk aus zum anderen gelangt, den ungewöhnlichen „Think Tanks“, die man alleine oder gemeinsam nutzen kann, den Lounges wo allenthalben Leute zusammensitzen und neue Pläne schmieden. Und wie viele Menschen, die Welt bewegendes denken und tun wollen, versuchen dies in grauen Einheitszellen? Wie sollen in diesem Umfeld neue Ideen entstehen?

Zudem: Der Effekt von Projektgruppenarbeit, Seminaren und Trainings geht im Alltag schnell verloren. Aussagekräftige Bilder und wirkungsvolle Gemeinschaftserlebnisse bleiben im Gedächtnis. Ein Arbeitsumfeld, das sich – je nach Thema – immer wieder sichtbar und spürbar verändert, beschleunigt Bewusstseinsprozesse um ein vielfaches. Inspirierende Räume vermitteln eine lebendige, Sinn und Wert orientierte Kultur. Der Vorteil ist: Die Bilder der Zukunft sind da präsent, wo gearbeitet wird. Sie senden ständig Impulse: Neu zu denken, neu zu sehen, neu zu fühlen.

Mit SINN-lichkeit – Kunst und CSR andere ins Boot holen

Neben der Verstandesebene erreichen Kunst- und Kulturprojekte eine tiefe emotionale Zustimmung. Wer versteht – und einverstanden ist, mit der Vision, den Werten und Vorstellungen von sinnvollem Tun, kann jede Handlung im Alltag damit abgleichen und braucht keine ständigen Arbeitsanweisungen.

Nicht nur der Fortbestand unserer Gesellschaft, auch der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen wird in Zukunft, noch viel stärker als heute, von einer Kultur abhängen, die auf einer klaren Vision und einem unerschütterlichen Wertekanon gründet – und zugleich achtsam, offen und verbesserungsfähig ist. Starke Ziele, die Sinn machen und Sinn geben sind nötig, um die anstehenden tief greifenden Veränderungen – und damit verbundenen Herausforderungen – bewältigen zu können.

Wer starke SINN-liche und SINN-volle „Bilder“ für die Vision einer nachhaltigen CSR Kultur findet und damit Andere ins Boot holen kann – hat gewonnen!

Kunst ist mehr als Invest

Blogartikel von Gunda Achterhold
„Ich muss etwas Sinnvolles tun“ – Eva Mueller, Kunstberaterin

Was hat eine Expertin, die Unternehmen bei der Auswahl von Kunst berät, eigentlich an den eigenen Wänden hängen? Ganz ehrlich, ich habe gar nicht darauf geachtet. Es war dieser Gesamteindruck aus Farben (wow, eine goldene Wand im Flur!), Formen und Licht, der mich bei meinen Besuchen jedes Mal völlig eingenommen und fasziniert hat. Ich kenne das Häuschen in Grünwald, in dem Eva Mueller lebt und die Aktivitäten ihrer Kunstberatung organisiert, schon seit einigen Jahren. An einem Abend Anfang 2009 rutschten wir Netzwerkerinnen aus dem Münchner Wirtschaftsforum zwischen Kunstbänden, Frachtpapieren und Fotos in ihrem Arbeitszimmer zusammen und hörten wie gebannt zu, was Eva Mueller von ihrem Kunstprojekt in Amman berichtete. Über den Kontakt zu einer jordanischen Journalistin hatte sie eine Ausstellung konzipiert, die wenige Wochen zuvor in der renommierten Jordan National Gallery gezeigt worden war. Noch im letzten Moment drohte das extrem aufwendige Projekt, das Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus arabischen und europäischen Ländern zusammenbrachte, zu scheitern.

Eine geschlagene Woche hatte die Münchnerin in Amman auf dem Zoll verbracht, viel Überzeugungsarbeit leistend und händeringend darauf wartend, dass die Gemälde, Installationen und Objekte rechtzeitig frei gegeben werden. Es war dann doch noch alles gut gegangen. Die unter der Schirmherrschaft des jordanischen Könighauses stehende Ausstellung „Together“ war ein voller Erfolg und wurde verlängert, die Besucher standen Schlange. Heute lacht Eva Mueller, wenn sie an die gigantischen Ausmaße denkt, die das Kulturprojekt angenommen hatte. „Drei Jahre lang habe ich mich mit der Vorbereitung beschäftigt und auch viel Geld reingesteckt“, sagt sie und schüttelt den Kopf. „Unternehmerisch war das Harakiri.“ Bereut hat sie ihr Engagement nie. „Die politische Situation war sehr angespannt, ständig wurden die Unterschiede zwischen der arabischen und der europäischen Welt betont“, erzählt sie. „Da wollte ich was tun.“

Berufseinstieg im Frauengefängnis

Flagge zeigen – das passt zu Eva Mueller. Mit 13 Jahren las sie das Buch eines in England inhaftierten mehrfachen Mörders. Das Mädchen war elektrisiert: Warum scheitern manche in ihrem Leben so erbärmlich, während andere glücklich und erfolgreich sind – was steckt dahinter, fragte sie sich. Die Antwort vermutete sie dort, wo Menschen ganz unten ankommen. Zum Entsetzen ihrer Familie fasste Eva Mueller den Entschluss, im Strafvollzug zu arbeiten. Über eine Erzieherinnenausbildung machte sie nach dem Realschulabschluss das Fachabitur, studierte Sozialpädagogik und fing als Sozialarbeiterin im Frauengefängnis Am Neudeck an.

Liebe Eva, zwischen Knast und Kunstberatung liegen Welten. Wie hat sich denn das entwickelt?
Bei mir liefen schon immer zwei Interessen parallel: Die Liebe zur Kunst und der Wunsch, die Welt zu verbessern. Meine Oma – sie trug denselben Namen wie ich – war Malerin. Sie rettete drei Bilder über den Krieg, die mich schon als Kind fasziniert haben. Besonders ein Porträt, das meinen Vater als kleinen Jungen zeigte. Dieser „Kunst-Oma“, der ich selbst nie begegnet bin, weil sie jung starb, fühlte ich mich immer sehr verbunden. Beim Gedanken, selbst Kunst zu studieren, kam allerdings sofort die Überlegung: Wem nützt das? Es war die 68er-Zeit und ich wollte gesellschaftlich etwas verändern. Also entschied ich mich für die Sozialpädagogik.

Und was war mit deiner musischen Ader?
Ich habe immer viel Theater gespielt, war mit freien Gruppen auf Festivals unterwegs und organisierte Aufführungen an verschiedenen Unis. Das hat mir viel bedeutet, auch wenn es mit erheblichem Aufwand verbunden war. Ich bin LKW gefahren, habe das Bühnenbild mit eingepackt und wieder aufgebaut, Spielorte gesucht, Geldgeber aufgetrieben und Werbung für unsere Veranstaltungen gemacht. Als ich in die Sozialarbeit einstieg, habe ich dann auch mit dem Kunststudium ernst gemacht: Fünfzig Prozent im Gefängnis Am Neudeck, fünfzig Prozent als Gaststudentin an der Kunstakademie. War typisch für mich – auch da lief beides gleichzeitig.

Vollzeitkünstlerin und Weltverbesserin – das ging nicht zusammen?
Ich war mir gar nicht sicher, ob ich als Künstlerin gut genug bin. Als mir mein Professor dann signalisierte, dass es reicht, da wusste ich, dass ich mich entscheiden muss. Ich hatte das lange offen gelassen. Aber dann merkte ich, dass es mir auf Dauer nicht reichen würde, den ganzen Tag vor meinem Skizzenbuch zu sitzen. Ich brauche Menschen um mich herum. So kam ich zur Kunsttherapie. Ich habe alles gelesen, was es damals darüber gab und habe es dann in der Arbeit mit jugendlichen Inhaftierten eingesetzt. 

Nach zwei Jahren Gefängnisarbeit war Schluss. „In den starren Strukturen des Strafvollzugs war ich leider ein Störfaktor, da ich die Abläufe ändern, etwas verbessern wollte“, sagt Eva Mueller über diese ersten Berufsjahre. „Ich hätte mich anpassen müssen – und damit hätte ich in meinen Augen nichts Sinnvolles mehr beitragen können.“ So zäh und zielstrebig sie auf die Arbeit im Strafvollzug hingearbeitet hatte, so entschlossen packte sie neue Aufgaben an. „Ich hatte meine Antwort gefunden“, stellt sie fest. „Häftlingen, die eine lebendige Vorstellung, eine Vision, von ihrem Leben nach der Entlassung hatten, ist es oft gelungen einen neuen Weg zu gehen. Den anderen nicht.“

Vorbild Amerika: Kunst, Architektur und Stadtgesellschaft

Aus der Suche nach geeigneten Räumen für Theaterprojekte entstand in den achtziger Jahren das Münchner Frauenkulturhaus. Eva Mueller gehörte zu den Mitbegründerinnen und übernahm die Leitung der Galerie. Sieben Jahre lang kuratierte sie die wechselnden Ausstellungen für die Stadt München, bis sie sich 1993 als Kunstberaterin selbstständig machte. In amerikanischen Bankenvierteln hatte sie gelungene Beispiele für das Zusammenspiel von Kunst, Architektur und Stadtgesellschaft entdeckt. Sie suchte nach Unternehmen, die Neubauten planten, wandte sich an Architekten und legte zusammen mit einer Kollegin aus Frauenkulturhaus-Zeiten, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmerte, los. Seitdem ist die Münchnerin viel unterwegs. In mehr als sechzig Unternehmen, von der Deutschen Bank über die Metro Gruppe bis hin zur LBS Landesbausparkasse, hat sie Vorstände und Führungskräfte bei der Auswahl und Platzierung von Kunstwerken unterstützt. Was das heißt, ist mir selber erst vor zwei Jahren so richtig klar geworden. Für das Fachmagazin working@office recherchierte ich einen Beitrag zum Thema Betriebsklima, darüber kamen wir ins Gespräch. Und ich stellte fest, dass es bei der Kunstberatung nicht nur um ästhetische Aspekte geht. Eva Mueller ist auch in Banken und Versicherungen die Welt verbessernd unterwegs.

Was fasziniert dich so an deiner Arbeit?
Ich will die Kunst zu den Leuten bringen, dorthin wo sie einen großen Teil ihres Lebens verbringen, an ihrem Arbeitsplatz. Ich will erreichen, dass sie sich dort wohl fühlen und ein inspirierendes Umfeld vorfinden. Dann verändert sich auch in den Köpfen etwas, davon bin ich fest überzeugt. 

Wie gehst du an einen Auftrag heran?
Am Anfang steht die Analyse. Was ist das für ein Unternehmen, wie arbeiten die und was wollen sie mit der Neugestaltung erreichen? Mir geht es darum, einen inhaltlichen Bezug zu schaffen, und den suche ich über die Leute. Ich lese Geschäftsberichte, recherchiere die Geschichte der Unternehmen, spreche mit den Mitarbeitern, schaue mich um und frage, worauf sie stolz sind. So bekomme ich ein Gefühl für das Unternehmen, die Atmosphäre im Haus und natürlich auch für die Produkte oder Dienstleistungen, die sie anbieten. Für eine Baugesellschaft habe ich zum Beispiel schon mal Fotos von ihren Bauprojekten aufgegriffen und von Künstlern verfremden lassen. Das kam bei der Belegschaft unheimlich gut an! Es ist ganz wichtig, die Menschen mit einzubeziehen und ihnen nicht einfach etwas vorzusetzen. 

Steht bei deinen Auftraggebern nicht eher die Wertanlage im Vordergrund?
Kunst ist immer auch ein Invest. Die Qualität muss natürlich stimmen und dafür stehe ich auch. Aber wenn es nur darum geht, dass sich der Vorstand einen repräsentativen Rahmen schaffen will, dann nützt die Kunst nicht wirklich dem Unternehmen. Mir geht es immer um die Menschen und darum, ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie gerne und inspiriert arbeiten. Man darf das nicht unterschätzen: Es wird als ein deutliches Zeichen der Wertschätzung gesehen, wenn die Firmenleitung in Kunst investiert und Räume so gestaltet, dass sich alle darin wohlfühlen.

Sie kennt ganz unten und ganz oben

Auch in ihren eigenen Räumen fühlt man sich sofort wohl. Sie wirken auf eine eigenwillige Art heimelig, jedes Detail zeugt von Geschmack und hat seinen eigenen Touch. Bis hin zu den Sammeltassen mit Goldrand, die Eva Mueller mit Tee füllt. Die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern ist eine zierliche Person, mit braunem Wuschelkopf und einer warmen, dunklen Stimme. Immer wenn ich sie treffe, geht mir spontan der Begriff „unaufgeregt“ durch den Kopf. Ob in Diskussionsrunden, Vorträgen oder Seminaren: Es geht eine unerschütterliche Gelassenheit von ihr aus. „Ich hebe nicht ab“, sagt sie von sich selbst. „Ich weiß, was ganz unten ist und was ganz oben – ich habe die ganze Palette gesehen und kann mit schwierigen Situationen umgehen.“ Alles, was sie in ihrem Leben bislang gemacht habe, von den Erfahrungen im Strafvollzug über Kulturprojekte bis hin zur ehrenamtlichen Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingskindern, habe ihr bei einer anderen Sache wieder geholfen. „Wie Puzzleteilchen fügt sich das immer wieder zu neuen Formationen.“

Die Frage, was manche Menschen (oder Unternehmen) erfolgreich macht, beschäftigt sie bis heute. 2009 hat die Kunstexpertin ihr Institut für Visionalisierung gegründet. Sie arbeitet mit Wissenschaftlern aus der Wirtschaftspsychologie zusammen, hält Vorträge zum Veränderungspotenzial von Visionen und entwickelt in Großgruppenseminaren Konzepte für eine lebendige Unternehmenskultur. Sie selbst verfolgt Visionen unbeirrt. Bestes Beispiel ist ihr „Jahrbuch für Visionär/innen“, in dem sie die Lebenswege von Künstlern, Unternehmern oder Wissenschaftlern vorstellt und nach Gesetzmäßigkeiten ihres Erfolges forscht. Nach monatelangen Verhandlungen mit einem Verlag, die kurz vor dem Abschluss standen, brachte sie es kurzerhand selbst heraus. Liebevoll gestaltet, mit aufwendigem Layout, ohne Kompromisse an die Wirtschaftlichkeit. „Ich muss das Gefühl haben etwas Sinnvolles zu tun, etwas, das den Leuten nützt. Und solange ich von dieser Arbeit leben kann, bleibe ich dabei.“

Together – Begegnungen in Jordanien

Kunstberaterin Eva Mueller / Unternehmen privat
Artikel von Antje Ernst Motz in “Wirtschaft – Das IHK Magazin”

Offenheit und Verständnis zwischen Kulturen, Traditionen und Ländern mit künstlerischem Austausch zu fördern, diesen Weg hat Kunstberaterin Eva Mueller mit ihrer Ausstellung “Together” in Jordaniens Hauptstadt Amman mit großem Erfolg beschritten.

Zwei “Säulen” sind im Leben von Eva Mueller “immer wieder aufgetaucht”: Soziales Engagement und Kunst. Bereits im ersten Job nach dem Examen gelang es der  Münchnerin als Kunsttherapeutin im Strafvollzug, die beiden wichtigen Bestandteile ihres Lebens zu vereinen. In den achtziger Jahren gehörte sie dann zu den Gründerinnen des Münchner Frauen Kulturhauses. Als Leiterin der Galerie kuratierte Eva Mueller sieben Jahre lang Ausstellungen für die Stadt München.

Eine Tätigkeit, aus der heraus die gelernte Sozialpädagogin 1993 mit der in Grünwald ansässigen Kunstberatung speziell für Unternehmen ihr eigenes Unternehmen gründete. Mittlerweile hat sie in über 60 renommierten Unternehmen von der Deutschen Bank über die Metro Gruppe bis zur LBS Landesbausparkasse Vorstände und Führungskräfte bei der Kunstauswahl und Platzierung unterstützt. Wichtig ist Eva Mueller dabei die Wirkung der Kunstwerke auf den Betrachter. “Es geht mir immer um Menschen”, sagt Eva Mueller.

Das war der Grund, warum die  Münchnerin gemeinsam mit der jordanischen Journalistin Tamara Aqrabawi vor vier Jahren ein Kunstprojekt in der jordanischen Hauptstadt Amman in Angriff nahm und es sehr zielbewusst verwirklichte. Wenn in der momentan “angespannten Situation”, so Eva Mueller, “ständig die Unterschiede zwischen der arabischen und der europäischen Welt betont werden”, so war es die Idee der beiden Frauen, unter dem Titel “Together” über das Medium der Kunst zu mehr gegenseitigem Dialog anzuregen.

Die dafür konzipierte Ausstellung in der renommierten Jordan National Gallery in Amman zeigte Positionen von 28 Künstlerinnen und Künstlern aus 12 verschiedenen arabischen und europäischen Ländern. Mittlerweile ist die Ausstellung wieder abgebaut. Das Echo, freut sich Eva Mueller, in der westlichen und arabischen Presse war überwältigend. Andere arabische Museen, aber auch das Museum im pakistanischen Islamabad haben ihr Interesse an ähnlichen Ausstellungen angemeldet. Allerdings: Mit “Together” ausschließlich Kunst für die jordanische High-Society zu bieten, das wäre Eva Mueller entsprechend ihrer Vita zu wenig gewesen. Mehr noch zählte der Gedanke, mithilfe dieser Ausstellung “Menschen zu unterstützen und zu fördern, die momentan nur schwer ihre Grundbedürfnisse befriedigen können”.

Aus der Zusammenarbeit mit einer jordanischen Stiftung, die ein Stadtteilhaus in einem palästinensischen Flüchtlingslager am Rande von Amman betreibt, entstand die Idee, einen dreitägigen Workshop für Kinder mit den Künstlern der Ausstellung zu organisieren. Gemeinsam zu malen, zu fotografieren oder mit geringen Mitteln – Papier oder Bananenschalen – etwas herzustellen. Mit einfachen Worten: “Den Kindern zu zeigen, wir sind an Euch interessiert, wir wollen mehr über Euch und Eure Erfahrungen hören.”

Da würde es auch nicht zu der engagierten Beraterin passen, drei Tage vor Ort mit 65  Kindern Aktionen zu machen und dann geräuschlos die Zelte abzubrechen. Das Projekt wird mit der Schulung der Betreuer vor Ort fortgesetzt, es werden Fotoapparate oder Wasserfarben zur Verfügung gestellt oder dafür gesorgt, dass der alte Brennofen wieder auf Vordermann gebracht wird.

Die finanzielle Unterstützung läuft wie so häufig über den privaten Bereich. Wie zum Beispiel im vergangenen Jahr, als Eva Mueller mit ihrer Kunstberatung des 15. Jubiläum feierte und statt um Geschenke um eine Spende für ihr Projekt warb.

Kunst bricht verrostete Strukturen auf

Die Konzeptionistin Eva Müller aus Grünwald bringt Künstler und Unternehmen zusammen

KUNST BRICHT VERROSTETE STRUKTUREN AUF
VON MARC OLIVER SCHREIB / MÜNCHNER MERKUR

Grünwald – Das schief stehende Bronzepferd am Ortseingang oder der steinerne Adler am Schlittenberg, dem das Beiwort „Geier“ verpasst wurde, gefallen der Kunstkennerin Eva Müller ehrlich gesagt gar nicht. Vor 19 Jahren hat sie sich trotzdem für eine Bleibe in Grünwald entschlossen. Bis heute ist sie darüber froh. „Ich liebe die Stille und Zurückgezogenheit, die ich hier finde“, erläutert die Konzeptionistin. Ihr Beruf verlangt ihr viel ab. Seit 15 Jahren berät sie nun Firmen sowie Privatleute in der Frage, welche Form der Kunst die eigene Identität stärkt oder wie sie die Leistung der Mitarbeiter steigert oder das Bild der Kunden beeinflusst.

Es ist eine Art alternative Unternehmensberatung, die mehr Effizienz – auf unkonventionellem Wege – anstrebt. „Die neu gewonnene Unternehmenskultur kann auch zu einem ethischeren Miteinander führen“, so Müller. Die Kunst kennt laut der Expertin das Selbstverständliche nicht und bricht immerwährend verrostete Strukturen auf. Für ein Unternehmen sei diese Philosophie unter Umständen genau der richtige Weg zur Selbsterneuerung. „Was passiert, wenn ich einfach mal alles auf den Kopf stelle?“ Dieser für die Kunst so nötige Ansatz dürfte im Unternehmen zunächst auf Widerstand treffen. Trotzdem könnte die Auseinandersetzung fruchtbar enden – „indem ein Raum zur Entfaltung des geistigen Freiraums geschaffen wird“. Die Grünwalderin schließt sich hier dem Schweizer Künstler Max Bill an, der seine Ansicht zugespitzt vorträgt: „Jeder, der in der Wirtschaft Verantwortung übernimmt, sollte die Wahrnehmungsschule der Kunst besucht haben.“ Eine Provokation? Natürlich, warum denn nicht?

Als studierte Sozialpädagogin, die an der Münchner Kunstakademie eine Ausbildung absolvierte, kennt sie sich nicht nur in Fragen des Geschmacks aus. Sie unterscheidet Gefälliges von Garstigem, Dekoratives von Gehaltvollem nach objektiven Maßstäben, aber das ist noch nicht alles. Die Wahrnehmung, die Interaktion des Betrachters mit dem Bild, des Bankkunden mit dem Objekt und des Gemäldes mit der Anlage sind mitbestimmend bei der Auswahl. Gemäß diesen Parametern werden die Künstler ausgesucht, die zum Unternehmenskonzept passen. Es stellt sich für Müller als Erstes die Frage, wer ohnehin mit einem passenden Material arbeitet, das an diesem oder jenen Ort vertretbar ist. „Es muss nicht immer der Top-Name sein, der dahinter steckt“, präzisiert Müller.

Als Zauberwort für das richtige Verhältnis zwischen Künstler und Aufstellungsort benutzt Müller die ausgewogene Spannung. Hier ein Negativ-Beispiel: Zum Diner im örtlichen „Alten Wirt“, der von der Grünwalderin auch beraten wird, würde eine Kriegsszene nicht passen. In dem feinen Ambiente mit Wohlgerüchen, flackerndem Kerzenschein und erstklassiger Bio-Küche empfänden die Gäste die Kluft als abgeschmackt. Müller erklärt: „So etwas gehört in einen Ausstellungssaal, in ein Museum. Wir wollen keine Gefühle verletzen oder sie abstumpfen.“ Hier verläuft eine scharf umrissene, wenngleich unsichtbare Grenze. „Ich habe auch schon Aufträge abgelehnt, die mir nicht erfüllbar schienen“, betont sie . Was jedoch sehr selten vorkam.

Ihre Inspiration bekommt sie unter anderem auf ihren Reisen zu den bedeutenden Messen in Frankfurt, Berlin, Basel, Amsterdam oder Düsseldorf. Als erfrischend erlebte sie während regelmäßiger Aufenthalte in Südfrankreich die dortige Künstlerszene, die ein unverkrampftes Verhältnis zur Malerei pflege und auch zur Schönheit, die Raum in der Darstellung findet. „Bei uns hat man viele Jahre lang die Hässlichkeit zum Qualitätsmerkmal erhoben.“ Der Künstler musste sich zuerst vom Belzebub des Dekorativen und Gefälligen trennen, bevor er zu den Weihen zugelassen und von den Kollegen geschätzt wurde. Mit dieser Form der Wertschätzung stimmt die Grünwalderin nicht überein und bringt das so auf den Punkt: „Weder Schönheit noch Hässlichkeit sind ein Bewertungskriterium für die Qualität einer Arbeit.“

Eine große Anstrengung für eine ungewöhnliche Ausstellung unternimmt die Kunstvermittlerin seit Monaten in Jordanien. Hier plant sie eine Ausstellung im Nationalmuseum in Amman unter dem Titel „Children meets Art“, die im November anläuft. Dazu rekrutierte sie 27 Künstler aus Europa und dem arabischen Raum und hat sich längst im Koran über das vermeintliche Bilderverbot kundig gemacht. In der einschlägigen Stelle bei Mohammed heißt es: „Ein Engel betritt kein Haus, in dem ein Bild oder ein Hund ist.“ Müllers Auslegung: Gemeint sind Götzenbilder, ein generelles Bilderverbot gebe es nicht. Die arabische Welt hält sie in dieser Hinsicht für einen unentdeckten Kontinent. Bisher fand ein solcher Austausch zwischen westlichen und arabischen Künstlern noch nicht statt. Aber gerade darin sieht Eva Müller ihre Aufgabe: „Neue Wege beschreiten.“